Michael Koehn


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BERUF

Verladungen

12.07.2012

Verladungen nach Übersee


Am interessantesten am Beruf des Spediteurs sind natürlich die nicht alltäglichen, die "außergewöhnlichen" Aufträge.

Bereits kurz nach meiner Ausbildung -im Mai 1981- durfte ich eine Partie Lkw-Chassis nach Chile verschiffen. Damals gab es in diese Relation noch keine Ro/Ro-Schiffe, also musste ich die Fahrzeuge auf einem konventionellen Frachter unterbringen.

Hierbei war darauf zu achten, dass bei Seegang die Lkws weder von den anderen im Schiff verstauten Waren beschädigt werden konnten, noch selbst andere Güter beschädigten. Auch an Oberdeck konnte die Verladung nicht erfolgen, man wollte ja in Chile keine vom Wind und Seewasser verrosteten Gerippe, sondern neue Lkws erhalten. Arbeitsplatz ohne 
Computer Übrigens: damals arbeitete man noch mit der Schreibmaschine und (im besten Fall) mit einen Vervielfältigungssystem namens Ormig, vielleicht kennen Sie das noch aus der Schulzeit. Computer wurden in den meisten Speditionen erst Mitte bis Ende der 1980er Jahre eingeführt, also hieß es anstatt "Dokument speichern unter..." damals: Aufstehen, einen Ordner aus dem Schrank holen, das Dokument lochen, abheften und den Ordner wieder zurück in den Schrank stellen. Kann man sich heute kaum noch vorstellen!

Erkennbare Dimensionen
Als wir dann Computer hatten, aber noch mittels Telex (die Sache mit den Lochstreifen) kommunizieren mussten, verlud ich eine Luftzerlegungsanlage von München nach Ulsan in Südkorea.

Wegen der dünnen Außenhaut des 20 Meter langen Haupttanks mussten die Anschlagstroppen gespreizt werden. Leider gab es in Korea weder einen ausreichend langen "Spreader", noch einen zweiten Schwimmkran im Handelshafen. Zusammen mit den Partnern in Korea löste ich das Problem dennoch (Wie? - Das ist Spediteurs-Geheimnis!)

Transport im Werk Auch eine interessante Aufgabe war die Demontage, Verpackung und Verschiffung einer Spanplatten-Fabrik nach Pakistan.

Viele Teile konnten in Container verladen werden, einiges in Open Top oder auf Flats und Plattforms, aber ein erheblicher Teil musste konventionell d.h. weitestgehend unverpackt auf die Reise gehen.

Bereitstellung im Werk Ein Händler von Pall- und Sicherungsmaterial, der ursprünglich keine Lust gehabt hatte, zwecks Bestellung zum Werk, quasi "in die Walachei", zu kommen, küsste mir später fast die Füße als Dank für die Verdoppelung seines Jahresumsatzes.

Da ein Transport der Waren (mit den teilweise erheblichen Übermaßen) nach Hamburg zu aufwendig (und damit zu teuer) geworden wäre, holte ich das Seeschiff nach Rostock, bereit, die hierfür zusätzlich anfallenden Kanalgebühren zu übernehmen.

Straßentransport Vorher musste allerdings teilweise die Hafen-Infrastruktur dort wieder reaktiviert werden: Der einzige Vancarrier wurde entrostet und gangbar gemacht, Container-Spreader mussten gesucht und gewartet werden.

Auch die kurze Strecke vom Werksstandort in den Hafen von Rostock musste bei vielen Teilen unter Polizeibegleitung erfolgen, Ampeln und Schilderbrücken mussten umfahren werden.

Um Kosten zu sparen, suchten -und fanden- wir eine Streckenführung, bei der wir keine größeren baulichen Maßnahmen ergreifen mussten.

Beladung Nach Monaten intensiver Planung, Koordination, Schweiß und auch ein paar Tränen war es dann soweit, Stückgut und Container wurden an Bord verstaut, es passte auch alles hinein (was u.a. den "Supercargo" und den beiden Hafen-Gangs zu verdanken war) und das Schiff lief aus.

Stauung An dieser Verladung erkennen Sie vielleicht, liebe Leser, dass jede Art Arbeit immer von einer Vielzahl Menschen erledigt wird. Menschen, die nur dann ein gutes Ergebnis erzielen, wenn sie kooperativ und fair zusammen arbeiten und wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Anteil an der Arbeit geschätzt und gewürdigt wird. Und das hat auch einiges mit dem Thema Bezahlung zu tun.

Fliegendes Boot Hobby und Beruf brachte ich bei der Verladung eine Rennyacht nach Australien eng zusammen. Noch jahrelang stand ich mit dem Skipper der Yacht in Email-Kontakt, leider hat sich jedoch nie die Gelegenheit zu einem Turn ergeben. Schade.

Hier habe ich natürlich nur einige Highlights erwähnt, (ausgesucht auch deshalb, weil ich von anderen Verladungen keine Fotos besitze), habe nicht die vielen administrativen Hürden, bankseitigen Stolpersteine und restriktiven Importbestimmungen erwähnt, hoffe aber dennoch, Sie haben damit einen kleinen Einblick gewonnen in die Arbeit eines Seehafen-Spediteurs.

Wenn Sie mehr wissen wollen, schreiben Sie mir gerne.

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