Michael Koehn


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FREIZEIT

Sahara
II

12.07.2012

Trans - Sahara - Tour   » 2 «


Dienstag, 15.4.80

15°C, regnerisch, 555 km
Als ich aufwachte, regnete es. Um 8:00 Uhr fuhren wir weiter. Das Wetter besserte sich im Laufe des Tages.

Ab und zu stehen mitten in der Wüste am Straßenrand Verkäufer, die junge Hunde, Steine und ähnliches Zeug an den Mann zu bringen versuchen. Manchmal lag ein toter Esel oder ein verendetes Kamel am Straßenrand und verweste vor sich hin. An anderen Stellen sah man von Geiern oder anderen Aasfressern abgenagte und von Wind, Sand und Sonne gebleichte Schädel herumliegen (wie im Film).

Ungefähr 20 km vor Ouargla sahen wir vielleicht ein Dutzend Männer mitten in der Wüste stehen und Sand sieben. Wir hatten nicht die leiseste Ahnung, wozu das gut sein sollte.

Wir erreichen Ouargla und wollen tanken. Im ganzen Ort gibt es leider keinen Tropfen Diesel. Nachdem ich mich kurz mit einem Münchner unterhalten haben, der mit einem alten Bundeswehr-Lkw (mit Plane) unterwegs ist, den er gold-Oliv-grün gestrichen hat, fahren wir weiter.

In Ghardaia aßen wir in einem Restaurant einigermaßen gut für umgerechnet DM 60,00. Anschließend verbrachten wir eine ganze Stunde mit Tanken. Wir brauchten für alle Tanks und die Reservefässer immerhin insgesamt ca. 750 Liter, den Liter Diesel zu umgerechnet DM 0,40, Normalbenzin DM 0,70.

Peter will danach anschließend unbedingt in ein Hotel, um zu Duschen und die Nacht dort zu verbringen. Meines Erachtens hatten wir gar nicht so viel Zeit, alle zwei Tage stundenlang nach einem Hotel zu suchen, welches auch Peters gehobenen Ansprüchen entsprach, nur um seinem Reinlichkeitsfimmel zu huldigen. Wir machen immerhin keine Ferienreise, sondern stehen auch unter Zeitdruck, da wir das uns für diese Reise anvertraute Geld nicht nur für unsere eigene Bequemlichkeit und unsere eigenen Vergnügungen ausgeben sollten. Und jeder Tag kostete nun mal Geld.

Als wir gegen 19:00 Uhr endlich weiterfuhren, schien die Sonne wieder. Dadurch verloren wir wieder Zeit, da Peter alle paar Meter anhielt, um Fotos zu machen, z.B. von dem schroff abfallenden Felsen auf die im Tal liegende Stadt Ghardaia, was zugegebenermaßen ein reizvollen Motiv ist (Bild 11 ).

Wir fuhren noch weiter und stellten unsere "Wagenburg" um ca. 21:30 Uhr auf. Peter wollte sich nun endlich waschen, und zwar ganz, obwohl wir am nächsten Tag nach El Golea kommen wollten, wo sich ganz in der Nähe eine warme Quelle befinden sollte, die zu einem Bad einlud. Das hatte mir jedenfalls der Münchner mit seinem Bundeswehr-Lkw erzählt.


Mittwoch, 16.4.80

35°C, sonnig, 465 km
Um 8:15 Uhr sind wir aufgebrochen, auch hier lagen Autowracks an der Straße, die allerdings völlig ausgeschlachtet sind. Es war nicht mehr das kleinste Fitzelchen Stoff oder auch nur eine Schraube vorhanden. Manchmal konnte man das, was da am Straßenrand lag, gar nicht mehr als Auto erkennen, nicht mal mehr als Chassis oder Autogerippe. Oft waren es nur ein paar, wie zufällig zusammenhängende Blechteile, die wohl nur noch dort lagen, weil niemand ein Schweißgerät besaß, um sie in transportable Stücke zu zerschneiden.

Um 09:30 Uhr erreichen wir El Golea, ein Ort, bei dem die Vegetation plötzlich, wie mit dem Lineal gezogen, begann. Auf dem Bazar im Ort (Bild 12 ), auf dem es wirklich so zuging, wie man es sich immer vorstellt, kauften Bernd und ich Brot, Tomaten und Orangen, kippten etwas Motoröl in die Maschinen der Lkws, Tankten für 40 Dinar und fuhren ungefähr zehn Kilometer weiter, wo wir an einem See anhalten (Bild 13 ).

Dieser See war sehr denkwürdig: Am Rand eine ebenso schmale wie üppige Vegetationszone, dahinter nur Sand. Der See selbst war an seiner tiefsten Stelle vielleicht 20 cm tief, also fast nur eine größere Pfütze.

An diesem schönen Ort frühstückten wir und wuschen uns, was nicht ganz einfach war, da das Wasser zwar klar, der Boden des Sees jedoch mit Schlick bedeckt war. Daher mußt man aufpassen, keinen Schmutz aufzuwirbeln. Peter hatte mal wieder Angst, sich irgendwelche Krankheiten oder Würmer zu holen und sich deshalb nur mit Trinkwasser aus unseren Kanistern gewaschen.

Nach dieser ausgiebigen Pause ging es um 12:00 Uhr weiter, aber leiser nur ungefähr zehn Kilometer. Da stellte ich nämlich fest, dass eine der Hinterradbremsen an meinem Lkw heißgelaufen war und der Reifen anfing zu brennen. Nachdem ich dies bemerkt habe -als die Luft aus dem Reifen zischte- hielt ich an und löschte zuerst notdürftig mit einem Pulverlöscher, dann mit Wasser (aus dem 200-L-Fass auf meiner Ladefläche mit Hilfe eines Schlauches). Mit dem Wasser habe ich auch die Bremsbacken gekühlt.

Bernd und Peter merkten nicht, was passiert war und kamen erst nach ca. 20 Minuten zurück. Wir bauten den defekten Reifen, um dann festzustellen, dass die Bremstrommel festsaß. In der Zwischenzeit hatte auch ein Einheimischer mit seinem Truck gehalten, um uns zu helfen. Dies scheiterte aber an den Sprachschwierigkeiten.

Es stellte sich heraus, dass der Bremszylinder "im Eimer" war. Da dieser Lkw getrennt gebremste Hinterräder hatte -was vergleichsweise selten bei Fahrzeugen diesen Alters der Fall ist- beschloß ich, mit einem einseitig bremsenden Lkw weiterzufahren. Das Risiko schätzen wir gering ein, da einerseits keine nennenswerte Ladung transportiert wurde und andererseits die "Straßen" nicht so überfüllt waren, dass es groß auf den Bremsweg ankam. Nachdem wir einen Ersatzreifen und den noch intakten wieder zu einem Zwillingsreifen montiert hatten (Bild 14 ), ging es um ca. 14:45 Uhr weiter.

Plötzlich wurde die Straße so schmal, dass man bei Gegenverkehr auf den Seitenstreifen ausweichen mußte. Die Wüste war hier nicht mehr gelb, sandfarben, sondern grau: Grauer Schotter lag überall, gleichmäßig verteilt. Ohne Unterbrechungen grauer Schotter, nur in Kurven konnte sich das Auge an den weißen Begrenzungspfählen erholen (Bild 15 ). Einen anderen Sinn konnten diese Pfähle nicht gehabt haben, denn es wäre eigentlich völlig egal, ob man auf oder neben der Straße fährt.

Um die Langweile dieses Streckenabschnittes zu kompensieren, habe ich beim Fahren ein paar Kapitel meines Buches gelesen und trotzdem fast alle Schlaglöcher rechtzeitig erkannt und umfahren. Schlaglöcher waren auch das einzige, worauf man achten mußte: Gegenverkehr -wenn er denn mal vorkam- sah man bereits kilometerweit vorher und konnte sich dann ganz in Ruhe darauf einstellen.

Plötzlich: Ein Schild "Gefälle" und die Straße windet sich sanft von der grauen Hochebene in eine weite, sandfarbene, bräunlich-gelbe Ebene hinein. Hier gab es auch wieder die Sanddünen (Sable). In einer davon blieb Bernd mit seinem Käfer stecken, weil er ein Umleitungsschild übersehen -oder nicht ernst genommen- hatte.

Mit etwas Mühe haben wir den VW rausgeschoben und sind weitergefahren bis Ain Salah. Dort haben wir getankt, vergeblich ein Restaurant gesucht und hungrig weitergefahren. Unterwegs habe ich mit noch etwas Sand eingesteckt.

Unser Nachtlager schlugen wir ca. 20 km hinter Ain Salah auf, machten eine Dose Eintopf heiß, aßen diese mit Brot und gönnten uns zum Nachtisch noch einige Pfirsiche aus der Büchse. Dazu gab’s Peters Vitaminbrause (Bild 16 ). Die gesamte Mahlzeit knirschte beim Kauen, da selbstverständlich der Sand nicht vor unseren Töpfen und Dosen haltmachte. Um 22:00 Uhr legten wir uns hin und schliefen bald ein.


Donnerstag, 17.4.80

40°C, sonnig, 506 km
Um 6:30 Uhr weckte Bernd uns auf. Er hatte in seinem VW einen Wasserkanister als Kissen zweckentfremdet und dieser war ausgelaufen (Überschwemmung in der Wüste). Bernd mußte den Wagen förmlich ausschöpfen. Während seine Sachen trockneten, machten wir unsere Morgentoilette (Bild 17 ) und frühstückten.

Um 8:30 Uhr ging es dann weiter. Hinter dem Ortsschild Arak gab es ein "Café": Eine Wellblech-/Lehmhütte übelster Art mit einem uralten Tisch davor. Genau gegenüber ein zweites "Café" gleicher Bauart, ansonsten ist von dem Ort Arak nichts zu sehen.

Wir fahren weiter durch ein ausgetrocknetes Flußbett (Wadi). Als es hier noch Wasser gab, hat der Fluß sich ca. 100 Meter tief in den Felsen gefressen und eine Schlucht hinterlassen. Die Temperaturunterschiede und der Wind haben zusammen mit Sand das Übrige getan, bizarre, oft an Figuren erinnernde Felsblöcke und -Formationen zu hinterlassen (Bild 18 ).

Dann, endlich nach ca. 15 km erreichten wir den eigentlichen "Ort": Eine Tankstelle und ein weiteres "Gebäude". Da wir die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten schnell abschlossen, hatten wir noch genug Zeit zum tanken. Um 13:15 Uhr fuhren wir weiter, jetzt auf einer zweispurig ausgebauten Straße mit Mittelstreifen. Nach weiteren drei "Cafés" schien der Ort zu Ende zu sein und wir fuhren weiter durch die Schlucht, bis sich der Fels allmählich nach beiden Seiten verlor und wir wieder die Ebene vor uns hatten. Immer wieder kreuzte das ausgetrocknete Flußbett die Fahrbahn, ganz modern mit Röhren unter der Trasse hindurchgeleitet. Es scheint hier zu manchen Jahreszeiten wohl doch soviel zu regnen, dass diese Investition notwendig war.

Ein paar Kilometer weiter wurden wir von einen Soldaten (Offizier?) angehalten und auf deutsch gefragt, ob wir zufällig einen Bus -gleiche Ausführung wie der, welcher hinter ihm stand- gesehen hätten. Wir konnten ihm zwar leider nicht helfen, waren jedoch überrascht, einen algerischen Soldaten so gut deutsch sprechen zu hören.

Einige hundert Schlaglöcher weiter (Die Straße war teilweise phantastisch, teilweise beschissen, obwohl scheinbar zur gleichen Zeit mit dem gleichen Material gebaut), kippte das Benzinfass auf der Ladefläche um und ich hielt an, um es wieder aufzustellen. Dabei stellte ich fest, dass es leckte. Also haben wir das restliche Benzin in ein leeres Fass umgefüllt und das alte Fass -nach Landessitte- in die Wüste geworfen.

In Straßennähe lagen immer unzählbar viele, leere Kanister, alte Reifen -einige wie in Opas Schrebergarten ineinandergesteckt- und natürlich die schon fast obligatorischen Autowracks.

Wir fahren weiter und kamen nach In Ecker einer Geisterstadt. In Ecker war ehemals eine französische Atomversuchsanstalt. Man konnte noch die Hochspannungsmasten -teilweise noch mit Leitungen- bewundern sowie verfallene Gebäude und überall tonnenweise Stacheldraht. In einem alten Fort saß jetzt die Polizei. Gegenüber, an der Tankstelle, mußt erst ein Aggregat für die Benzinpumpe angeworfen werden, ehe wir tanken konnten. Auch unsere Lösch- und Kühlwasservorräte sowie die Trinkwasserbehälter füllten wir auf. Um 17:45 ging es dann weiter.

10 km hinter einem recht hübschen Ort namens In Amguel stoppten wir um 18:30 für diesen Tag und bereiten unsere Fahrzeuge auf die Wellblechpiste vor, die auf den nächsten Kilometern beginnen sollte: Peter kontrolliert den Festsitz aller Radmuttern, allerdings nur mit der Hand ohne Schraubenschlüssel, weil er meinte, wenn eine Schraube wirklich locker sei, würde er das schon merken. Erst nachdem wir ihn auf die Unsinnigkeit seines Unterfangens nachdrückliche hingewiesen haben, benutzt er einen Radmutternschlüssel.

Ich dichtete zwei lecke Stellen der Bremsluftleitungen meines Lkws ab und stellte außerdem fest, dass der Tank ein Loch hatte, dass sich nur schließen ließ, wenn der Tank ausgebaut würde. Leider verfügten wir nicht über eine Pumpe, um den Sprit abzusaugen. Da es sich nur um ein sehr kleines Loch handelte, aus dem nicht viel Diesel verloren ging, verzichteten wir auf weitere Aktionen diesbezüglich.

Nachdem wir auch bei den Lkws Öl, Wasser etc., kontrolliert und nachgefüllt hatten, gab es Abendbrot. Peter hatte unser Kochgeschirr bei der letzten Übernachtung (bei Ain Salah) liegengelassen, so dass wir unsere Ravioli nun direkt in den Dosen warmmachen mußten. Eine Dose wollten wir anschließen als Notkochtopf aufheben.

Nach einigen Bechern Kaffee und ein paar Runden Knobeln (Ja, wir hatten sogar Knobelbecher mit!) begaben wir uns zur Ruhe.


Freitag, 18.4.80

50°C, sonnig, 221 km
Um 7:00 Uhr, nach dem Frühstück, gings weiter. Oft sah man Leguane oder Ratten (und so ähnliche Tiere) auf der Straße. Zwischenzeitlich konnte man das allerdings kaum noch als Straße bezeichnen. Daher fuhren wir oft neben der eigentlichen Straße auf Pisten, die parallel laufen. Hier mußte man nicht so stark auf Schlaglöcher achten, die -recht scharfkantig- alle paar Meter auftauchten, obwohl die Straße auf den ersten Blick recht gut aussah. Einmal hatte ich nicht richtig aufgepaßt und war in so ein Loch gefahren: Dadurch ging die Ladeklappe auf und der Gang sprang heraus.

Um 10:00 tankten wir und fuhren dann nach Tamanrasset ein (Bild 19 ). Die Lkws stellten wir hinter der Stadt ab und Bernd und Peter fuhren mit dem VW zum Einkaufen.

Tamanrasset war unerwartet gut ausgestattet: Kino, Theater, ein Stadion und richtige Läden gab es dort. Sie kauften neben Kuchen und ganz frischem Brot -direkt aus der Backstube geholt- noch 20 Postkarten und Briefmarken.

Während ich auf die beiden wartete, reparierte ich endgültig die Lecks in den Verbindungen meiner Bremslust-Leitungen. Um die Gewinde abzudichten nahm ich kleine Stücke einer Plastiktüte anstelle von Hanf oder Dichtband. Anschließend nahmen wir gemeinsam einen Drink in einer riesigen, trotz der frühen Stunde bereits gut besuchten Kneipe in der Stadt. Auch unsere Postkarten schrieben wir hier, um der lieben Verwandtschaft zu Hause mitzuteilen, dass wir noch am Leben seien und uns guter Gesundheit erfreuten.

Bevor wir um ca. 13:15 Uhr endgültig weiterfahren konnten, mußte Peter noch eine Herde Ziegen unter seinem Wagen wegscheuchen, die sich dort vor der gleißenden Sonne verkrochen hatten (Bild 20 ). Dies war allerdings keine einfaches Unterfangen: Immer wenn er sie auf der einen Seite vertrieben hatte, sind sie von der anderen Seite wieder unter den Lkw gehuscht. Noch nicht einmal das Anlassen des doch recht lauten Diesel-Motors beeindruckte die Tiere, so dass Peter schließlich langsam, vorsichtig anfuhr und die Ziegen sich somit im Freien wiederfanden.

Ab Tamanrasset gab es keine Straße mehr, nur noch Wellblech-Piste, so genannt, weil sie durch das Gewicht und die Vibration der darüber rollenden Fahrzeuge eine wellblechartige Struktur erhalten hatte. Das Fahren ist dadurch unangenehm, laut und nervenaufreibend. Auch das Material wird durch die ständigen Vibrationsbewegungen stark beansprucht.

Nach ca. 30 km löst sich die Verbindung zwischen dem Hebel und dem Allradgetriebe und ich kann nicht weiterfahren, da die Motorkraft nicht mehr auf die Räder übertragen wird. Schon nach einer knappen halben Stunde habe ich es geschafft, den Schaden zu beheben.

An einigen Stellen war die Piste hier 20 bis 30 Meter breit oder sie teilte sich in drei, vier oder noch mehr Einzelarme, die nach einiger Strecke (fast) immer wieder zur Hauptpiste zurückkehrten.

Nach ca. 50 Kilometern stoppten wir um 18:15 Uhr, aßen zu Abend (kalte Würstchen, Brot, Kuchen und Kaffee) und fahren eine Stunde später weiter. Das Wasserfass war zwischenzeitlich auch leckgeschlagen und wir mußten es so hinlegen und verkeilen, dass das Spundloch nach unten auf den Boden der Lagefläche wies. Jedesmal, wenn wir Kühlerwasser auffüllen mußten, bedeutete das ordentlich Arbeit: Das schwere 200-L-Fass hochwuchten, umdrehen, Wasser zapfen und die gesamte Prozedur wieder zurück.

Uns fiel auf, dass es nachts wesentlich mehr Verkehr zu geben schien. Tagsüber begegnete uns nicht in einziges Fahrzeug, jetzt, in den Abendstunden hatten wir innerhalb einer Stunde bereits drei gesehen.

Ich war damals der Meinung, es sei besser für den Lkw, schneller zu fahren, zog daher immer ein Stück voraus (mit ca. 50-70 km/h) und wartete dann nach einer Weile auf die anderen. Obwohl bei dieser Geschwindigkeit das Lenken nicht so einfach war (die Vorderreifen berührten kaum den Boden), machte ich mir keine Sorgen, da es kaum etwas gab, wogegen man hätte stoßen können.

Plötzlich fanden wir uns mitten auf einer Straßenbaustelle wieder. Und das Ölfass, welches wir wegen eines Lecks an der Unterseite schon auf den Kopf gestellt hatten, hatte nun auch dort ein Loch und das Öl ergoß sich in breitem Strahl auf die Ladefläche. Leider konnten wir das erst feststellen, nachdem wir in der Dunkelheit die gesamte Ladefläche umgeräumt hatten.

Nachdem uns dann auch noch einige Arbeiter darauf hingewiesen hatten, dass wir auf dieser Baustelle überhaupt nicht fahren durften, wir aber im dunkeln die richtige Piste nicht finden, hielten wir nach einer Weile am Wegesrand und begaben und gegen 23:00 Uhr zur Ruhe.


Samstag, 19.4.80

50°C, sonnig, 181 km
Um 6:00 Uhr klingelte Peters Reisewecker und bereits eine Stunde später waren wir wieder unterwegs. Als Erstes mußten wir die Piste wiederfinden. Ich fuhr ein paarmal querfeldein und fand so Fahrspuren im Sand. Wir folgten dieser Spur, bis sie sich plötzlich gabelte. Wir fuhren getrennte Wege, Peter und Bernd ca. 300 Meter rechts von mir bis ich ein "Schild" fand, auf dem "IGZ 290" stand. Anhand der Karte könnte das bedeuten, dass der Grenzort nach Niger, In Guezzam, noch 290 km entfernt war (Bild 21 ).

Mehrmals blieb ich im feinen, tiefen Sand stecken, konnte -und mußte- mich aber selbst wieder freifahren, da die anderen zwischenzeitlich kilometerweit entfernt, noch auf der Parallelpiste, fuhren. Durch die Fahrerei auf den Wellblech-Pisten in den vergangenen Tagen und das freischaukeln aus dem Sand verliert ein Dieselfaß seinen Verschluß und ca. 50 Liter fließen in die Wüste.

Dann blieb ich endgültig stecken, kam nicht mehr selbst frei, weil auch mein Anlasser nicht mehr richtig funktionierte. Da unser Werkzeug auf Peters Lkw in einem großen Kasten verstaut war, blieb mir nur Warten. Als die anderen dann endlich kamen, bearbeitete ich den Anlasser so lange mit einem großen Hammer, bis aller Sand, der sich zwischen die Kontakte gesetzt hatte, herausgerieselt war und die "Kiste" wieder ansprang. Inzwischen war es bereits halb zwölf und wir hatten gerade mal 70 Kilometer geschafft.

Kurs vor 13:00 Uhr machten wir halt, es ging einfach nicht mehr: Es war zu heiß! Wir spannten meine WK-II-Decke als Sonnenschutz auf und lutschten Salztabletten. Bernd schien einen Hitzschlag oder ähnliches zu haben, kein Wunder bei der Fahrerei in dem kleinen VW. Es ging ihm ziemlich dreckig und wir versuchten, ihm so gut wie möglich zu helfen. Während wir so unter den Lkws liegen und warten, dass es Bernd besser geht, stellte ich plötzlich mit großem Erschrecken fest, dass das Allradgetriebe meines Lkw nicht mehr von vier Halterungen, sondern nur noch von Zweien gehalten wurde. Eine Halterung ist aufgrund der Vibration gebrochen und könnte höchstens mit einem Schweißgerät repariert werden. Bei der anderen Halterung fehlten "nur" zwei Schrauben, daher mußte ich irgendwo mindestens eine passende Schraube abbauen, damit das Getriebe nicht ganz runterfiel und der Wagen damit nicht mehr fahrtüchtig würde.

Aber erst mal warteten wir bis ca. 16:00, bis es etwas "kühler" wurde. Nach ca. einer Stunde hatte ich es dann geschafft, das Getriebe mittels zweier Wagenheber und zahlreicher Pallhölzer in die richtige Lage zu drücken und eine Schraube (die ich von der Stoßstange abmontiert hatte) einzudrehen. Nun hing das Ganze also an einer Original-Halterung und zwei Schrauben. Zwei andere Schrauben, die ich für losgerüttelt und verloren angesehen hatte, waren jedoch abgebrochen. so dass in diese Bohrungen auch keine "Ersatzschrauben" eingedreht werden konnten. Ich hoffte, dass meine Konstruktion, bei regelmäßiger Wartung und Kontrolle, die verbleibende Kleinigkeit von ca. 3.000 Kilometern überstehen würde.

Nun aber weiter! Es waren nur noch 170 km bis zum Grenzort und gleich jenseits der Grenze, in Arlit, also außerhalb des prohibitionistischen Algerien, gab es endlich -hoffentlich kühles- Bier.

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