Michael Koehn


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FREIZEIT

Sahara
III

12.07.2012

Trans - Sahara - Tour   » 3 «


Abends um halb sieben fuhr Bernd sich mit dem VW fürchterlich fest, die Reifen waren bis zu den Radkappen versunken und der Wagenboden lag auf dem Sand auf. Kein Schieben half. Beim Versuch, ihn mit meinem Lkw freizuschleppen, riß auch noch mein guten Patentseil, weil wir die Schlinge wegen eines abgebrochenen Schlepphakens um die scharfkantige Stoßstange des Käfer schlingen mußten. Wir versuchten einige Male, schwitzend und fluchend, den VW mit dem immer kürzer werdenden Seil freizubekommen. Auch das vorherige Freischaufeln der Frontpartie nützte nichts und so beschlossen wir, erstmal zu Abend zu essen und später weitere Versuche zu unternehmen. Wir aßen zu Abend, wobei ab und zu eine Wüstenmaus über unsere Decke lief.

Zwischenzeitlich kam noch ein Lkw der algerischen Armee vorbei und versuchte sein Glück. Da unser Seil inzwischen ziemlich kurz geworden war und die algerische Armee auch keine entsprechende Ausrüstung mit sich führte, gab er seine Versuche -mit einem Stück Stoff als Seilersatz- bald auf, bekam von uns noch ein paar Schlucke Wasser und fuhr weiter.

Nach dem Essen gruben wir unter dem Motorblock des VW ein Loch. Das war nicht ganz einfach, weil der feine Sand von den Seiten immer wieder nachrieselte. In das Loch stellten wir den Wagenheber und bockten den Wagen soweit auf, dass wir unser "Sandblech" unter die Hinterreifen schieben konnten. Dann fuhr Bernd den Käfer bis ans Ende des Bleches zurück und wir ebneten den Sand vorne etwas. Dann ging es mit Vollgas vorwärts, von Peters und meiner Muskelkraft unterstützt. Gute zehn Meter schaffte Bernd so, saß aber jetzt nicht mehr so tief fest.

Wir wiederholten also das Prozedere mit dem Blech und der Käfer kam frei! Bis wir alles Werkzeug wieder verstaut hatten und Bernd noch aus den Kanistern getankt hatte, war es auch schon 22:00 Uhr. Von Feierabend konnte aber noch keine rede sein, denn jetzt hatte Peter seinen Lkw festgefahren. Er versuchte einige Male, ihn selbst freizubekommen, gab dann aber auf. Ich setzte mich hinter das Steuer, wandte in paar Tricks an (Lenkrad einschlagen, vor-und-zurück-schaukeln, etc.) und befreite ihn aus der mißlichen Lage. Peter hatte es immer noch nicht geschafft, ein Gefühl für den Wagen zu entwickeln, ebensowenig, wie für die Situationen hier in der Wüste. Er wußte das und es bedrückte ihn sehr, besonders, wenn wir es ihn manchmal spüren ließen, wenn er sich besonders doof anstellte.

Da die Innenbeleuchtung sowohl in Peters, als auch in meinem Lkw (schon lange) defekt war, habe ich Peter die Taschenlampe überlassen und mich selbst auf das Dach des Führerhauses gesetzt, um im Schein der Begrenzungsleuchten die Notizen für diesen Bericht zu Papier zu bringen. Um die Scheinwerfer zu nutzen, hätte ich mich in den Sand setzen müssen, was ich nicht wollte (Skorpione, Sandflöhe).

Der Wecker wurde auf 5:00 Uhr gestellt und ich legte mich um ca 22:30 Uhr unter meine Decke und schlief bald ein.


Sonntag, 20.4.80

50°C, sonnig, 110 km
Der Wecker tat pünktlich seine Pflicht und eine Stunde später, nach dem Frühstück (wieder mit Mäusen) fuhren wir weiter. Leider nicht sehr weit, denn Peter stellte plötzlich fest, dass er keinen Treibstoff mehr hatte. Nach dem Betanken sprang der Wagen immer noch nicht an, da die gesamte Anlage leergelaufen war. Ich versuchte, meinen Lkw vor seinen zu rangieren, wozu ich die an dieser Stelle recht schmale Piste verlassen mußte. Dabei fuhr ich mich prompt fest und wir griffen wieder zur Schaufel.

Neben der anstrengenden Schaufelei in der schon recht heißen Sonne (um ca. 9:00 Uhr), nervten die Sandflöhe, deren Behausung ich wohl beim Rangieren zerstört hatte und die nun ununterbrochen um uns herumschwirrten, wesentlich schlimmer, als die Fliegen Zuhause.

Nachdem noch zwei Franzosen -vergeblich- versucht hatten, und zu helfen, schafften wir es nach zwei Stunden harter Knochenarbeit, freizukommen und fuhren weiter. Aber zu früh gefreut: Nach ca. 30 km tauchte das nächste Hindernis auf. Mitten in der schmalsten Stelle der Piste waren zwei Franzosen mit einem vollbeladenen Trailer und gebrochener Achse liegengeblieben. Dort standen sie seit vier Tagen und warteten auf Hilfe (Bild 22 ). Wir unterhielten uns etwas mit den Pechvögeln und ich sah dabei an der Hinterradnabe einen Kilometerzähler. Das schien tatsächlich zu bedeuten, dass die Franzosen einen Auflieger gemietet hatten, um alle möglichen Waren quer durch die Sahara zu bringen und dann irgendwo zu verkaufen.

Wir suchten -vorsichtshalber zu Fuß- eine Ausweichpiste und fuhren dann weiter, nicht ohne uns vorher versichert zu haben, dass die Franzosen mit allem Notwendigen (Wasser!) versorgt und Hilfe unterwegs war.

Dann wurde wieder die Verbindung zum Allradgetriebe unterbrochen und ich stand! Also Bodenplatte im Führerhaus (über dem Getriebegestänge) abschrauben, Verbindung zusammenstecken, Platte drauflegen und weiter ging es. Allerdings nur, bis mich die heiße Luft, die nun aus dem Motorraum heraufwehte, so fertig machte, dass ich anhielt. Die Verbindung sprang mal wieder auseinander, wurde von mir festgedrückt und die Bodenplatte mit einer Schraube fixiert, damit sie nicht so laut klapperte und der Heißluftstrom (schätzungsweise 80-90°C) mich nicht zusätzlich zu der ohnehin nicht gerade kühlen Umgebung ausdörrte.

Noch zwei- oder dreimal mußte ich die Verbindung wiederherstellen, dann hielten wir an, weil es schon wieder zu heiß wurde in unseren "Bleckgefängnissen". Die meisten Fenster lassen sich zudem nicht richtig öffnen. Ein Hamburger Pärchen, welches wohl gerade eine Reparatur an seinem VW-Bus beendet hatte, spendierte eine Runde Zigaretten (wir besaßen nur noch ein paar einheimische Menthol-Stäbchen) und fuhr weiter.

Wir stellten ein Leck im Benzinfass fest, füllten den Rest in Kanister und ließen und dann in den Schatten fallen. Ungefähr 50 km sollten es noch bis zum Grenzort In Guezzam sein, wenn wir also gegen 16:0 Uhr losführen, sollten wir "zum Tee" dort eintreffen, wenn nichts dazwischen käme (Toi, Toi, Toi).

Wir fuhren dann doch schon um 15:00 Uhr weiter. Glücklicherweise war die Piste hier sehr gut, fest und breit, so dass wir nahezu mit Höchstgeschwindigkeit auf den Ort zufahren konnten (Bild 23 ). Wir freuten uns, endlich nach drei Tagen mit ausschließlich trocknem, staubigem Sand Menschen, Ruhe, Schatten und -hoffentlich- auch Wasser zu finden, und zwar mehr als die üblichen zwei Liter pro Tag, die in diesen anstrengenden, heißen Tagen sehr wenig waren.

Und wir hatten Glück: Zweimal am Tag wurde eine Pumpe in Betrieb gesetzt, um das Wasser aus großer Tiefe heraufzuholen. Gerade, als wir in In Guezzam ankamen, lief die Pumpe und wir sprangen -wie wir waren, mit Jeans und T-Shirt; Bernd sogar mit Mütze- unter den kühlen, frischen Wasserstrahl (Bild 24 ). Bis um 18:00 Uhr planschten wir nur so herum und genossen diese Erfrischung. Wir hatten ohnehin nichts besseres zu tun, da wir den VW noch betanken mußten, der Tankwagen aus Tamanrasset jedoch noch nicht eingetroffen war.

Wir halfen noch einem Hamburger bei seinem Reifenwechsel und aßen dann zu Abend, zusammen mit einem französischen Pärchen. Bevor wir schlafen gingen, unterhielten wir uns noch lange mit den beiden und auch mit einem Grenzsoldaten, der dienstfrei hatte und uns -zu "leicht" überhöhten Preisen- ein paar Schachteln Zigaretten verkaufte.


Montag, 21.4.80

50°C, sonnig, 9 km
Bild Um 7:00 Uhr wachten wir auf. Von selbst, nicht, wie sonst, vom Wecker hochgescheucht. Wir wuschen uns und frühstückten, wieder zusammen mit den Franzosen. Es gab unter anderem Grießbrei und echten Kaffee, nicht unsere übliche Instand-Plörre.

Anschließend versuchte ich, meinen Lkw wieder einigermaßen in Schuß zu bekommen, vor allem das Gestänge zum Allrad-Getriebe. Es gelang mir -mangels der notwendigen Ersatzteile, nur einigermaßen, aber ich war unter diesem Umständen relativ zufrieden. Da es, als ich endlich fertig und gründlich gewaschen war, schon wieder zu warm für die Weiterfahrt war, legten wir einen "Sonntag" ein, setzten uns für einen halben Tag unter die Lkws, knobelten, lasen, aßen frische Tomaten, Ananas und Fladenbrot.

Wir erfuhren jetzt, kurz bevor wir Algerien verlassen wollten, dass die algerische nicht mit der tunesischen Zeit -auf die unsere Uhren noch eingestellt sind- übereinstimmt. Um 16:00 Uhr Ortszeit (!) wurde die Pumpe wieder angestellt und wir "duschten" nochmals, bevor wir eine halbe Stunde später die paar Meter zur Grenzstation fuhren.

Doch hier schlug die Bürokratie wieder zu: Wir sollten zurück nach Tamanrasset und unsere Pässe dort bei der Polizei abstempeln lassen. Ohne diesen Stempel könnten wir nicht ausreisen, belehrte uns ein Grenzpolizist. Wir waren wie vor den Kopf geschlagen, drei Tage zurückfahren, Stempel besorgen und wieder drei Tage hierher zurück - NEIN DANKE!

Erst als wir dem Grenzbeamten mit freundlicher dolmetscherischer Unterstützung eines unserer französischen Freunden klargemacht hatten, dass wir nicht wußten, in Tamanrasset einen Stempel holen zu müssen (wir waren in Tam übrigens sogar bei der Polizei, um eine Auskunft einzuholen), wurden wir durchgelassen. Allerdings erhielten wir keinen Ausreise-Stempel, was faktisch bedeutete, dass wir ausgewiesen worden waren und nie(?) wieder einreisen dürften.

Nachdem wir den Gram, nicht wieder nach Algerien zu dürfen, abgeschüttelt hatten, machten wir uns frohen Mutes auf den Weg, allerdings nicht sehr weit, da wir Bernds VW aus dem Sand befreien mußten. Einige Minuten später kamen wir dann gar nicht mehr weiter, weil der VW-Bus des -uns ja bereits bekannten- Hamburger Pärchens in einer Sandwehe mitten auf der Piste steckte. Dahinter warteten bereits zwei andere Lkws.

Wir halfen zuerst, den Bus wieder flott zu bekommen, dann halfen uns die Hamburger, Bernds Käfer wieder auszugraben, indem sie uns ihre (richtigen) Sandbleche liehen. Damit die Reifen zukünftig nicht mehr so leicht einsanken, senkten wir den Reifendruck mit Hilfe des Manometers einer Fußpumpe auf ca. 1 Atü. Inzwischen war es dunkel geworden und wir beschlossen, die Reise für diesen Tag zu unterbrechen (Tolle Leistung: 9 km). Wir schnorrten uns etwas Pulverkaffee von den Hamburgern, aßen zu Abend (Hamburger aus der Dose, kalt) und begaben uns zur Ruhe. Da es mir in der Kabine zu stickig und meine Ladefläche ölverschmiert war, legte ich mich auf Peters Lkw. Der Wecker war wieder auf 5:00 Uhr gestellt.


Dienstag, 22.4.80

50°C, sonnig, 234 km
Nach dem Frühstück (Kaffee, Tomaten und je eine Scheibe Knäckebrot) fuhren wir gegen 6:00 Uhr weiter zur Grenzstation von Niger, Assamaka. Dort mußten wir unsere Pässe und Zulassungen abgeben sowie die Lkws abstellen. Wir stellten sie an einen schattigen Platz, wurden aber aufgefordert sie in prallen Sonne zu fahren. Dort mußten wir unser Gepäck vollständig entladen und auspacken, die Werkzeug- und die Lebensmittelkiste öffnen und allen durchschnüffeln lassen. Nach einer guten halben Stunde waren die Beamten von unserer Harmlosigkeit überzeugt, wir durften unseren Kram wieder einpacken, bekamen unsere mit dem wichtigen Stempel versehenen Papiere und durften weiterfahren.

Wir verabschiedeten uns großartig von den Hamburgern, kamen dann aber doch nicht los, weil der Käfer nicht ansprang. Nach einiger Tüftelei und ca. ½ Stunde ging es doch endlich weiter. Schon nach einer Stunde jedoch wurden wir erneut zum Halten gezwungen, da meine Kühlwasser-Temperatur auf knapp 110°C gestiegen war. Ich füllte also unter mäßigen Schwierigkeiten Wasser nach und wir konnten weiter.

Nach 15 Kilometern sahen wir einen algerischen Lkw am Pistenrand und hielten an, um zu helfen. Wir verkauften ihm ca. 40 Liter Diesel für 1.000 CFA (ca. 10,00 DM) und der Fahrer lud uns zu einem Ricard ein, sein Beifahrer und "Diener" machte Tee und wir tranken und rauchten (Bild 25 ). Dieser Lkw-Fahrer hatte tatsächliche einen Diener, einen Farbigen (der Fahrer war arabischer Abstammung), der aufs Wort gehorchte und sich, wenn nichts zu tun war, zurückzog.

In der Zwischenzeit kam ein anderer Lkw vorbei, hielt und unser Freund versteckte die Ricard-Flasche (Moslems war und ist der Genuß von Alkohol nicht gestattet), bevor er auch von diesem Kollegen ein paar Liter Diesel schnorrte. Später zeigte er uns den Zweittank seines Fahrzeuges, der wohlgefüllt war. So schien er sein Gehalt auszubessern: Diesel vom Arbeitgeber bezahlen lassen, aber auf Kosten der Hilfsbereitschaft anderer den Tank füllen.

Als wir nach einer guten Stunde, um ca. 13:30 Uhr, weiterfahren, haben wir ordentlich einen in der Krone. Wir hatten nur spärlich gefrühstückt und nun zusammen mehr als eine Flasche Ricard getrunken, bei über 50°C im Schatten. Sehr weit kamen wir auch diesmal nicht, denn schon nach weiteren 50 Kilometern war die Temperatur meines Kühlwassers wieder auf über 110°C gestiegen. Wir hielten und füllten unser letzes Wasser nach (Trinkwasser hatten wir selbstverständlich noch). Wir beschlossen, noch nicht weiterzufahren, weil es auf der einen Seite sehr heiß war und wir -auf der anderen Seite- noch den Alkohol im Blut hatten, der den Kreislauf zusätzlich belastete. Außerdem wehte mir immer noch die erhitze Luft aus dem Motorraum in die Fahrerkabine, die Temperatur im Führerhaus dürfte inzwischen 70-80°C betragen haben. Ich hatte mir eine nasse Decke umgehängt (Bild 26 ), aber es war trotzdem zu heiß. Die Decke brachte auch kaum Feuchtigkeit in die Luft. so dass man kaum schwitzte und auch von dieser Seite keine Abkühlung zu erwarten war.

Um 17:00 Uhr geht es weiter. Meine Wassertemperatur steigt zwar wieder bis auf 100°C aber wir erreichen den nächsten Ort, In Abangarid. Dort müssen wir, wie in jeder "Stadt" in Niger, unsere Pässe und internationalen Zulassungen vorlegen. Während wir auf die Rückgabe der Papiere warten, tanzen ununterbrochen Eingeborene um uns herum und wollen uns entweder irgendwelchen Tand verkaufen oder betteln um eine "Gâteau" (Geschenk). Anschließend fuhren wir zu einem Kamelbrunnen in der Nähe (Bild 27 ), um Kühlwasser für meinen Wagen zu besorgen, mußten aber die Hilfe eines Eingeborenen in Anspruch nehmen, weil wir mit unserem Eimer und einem (zu) kurzen Seil nicht an die Wasseroberfläche reichten. Nach längerer Debatte bekamen wir von dem jungen Eingeborenen vier Eimer Wasser im Tausch gegen ein Paar (schmutzige) Socken.

Dann ging es weiter, teilweise durch Steppe, die mit Büschen bestanden war, die aussahen, als seien sie voller Rauhreif. Es handelte sich allerdings um Stacheln oder Dornen, die so groß und fest waren, dass sie sogar unseren Reifen äußerst gefährlich werden konnten. Man mußte höllisch aufpassen, nicht über einen abgerissenen Zweig oder sogar über einen ganzen Busch zu fahren.

40 Kilometer hinter In Abangarit hielten wir, aßen zu Abend und tranken Ricard, den wir von dem Lkw-Fahrer in einer kleinen Cola-Flasche mitbekommen hatten. Vor dem Zubettgehen mußten wir noch den Reifendruck von Bernds VW auf den Normalstand bringen, da die Piste wieder fester wurde. Ich reparierte außerdem den Kühlerschlauch meines Lkws, obwohl der Sinn dieser Aktion fraglich war, da der Kühler selbst auch einige Löcher hatte.


Mittwoch, 23.4.80

50°C, sonnig, 342 km
Um 5:00 Uhr weckte Peter uns, wir frühstückten und tranken unseren letzten Rest Kaffee. Dann ging es weiter. In Tegguidda-In-Tessoum holten wir Wasser, natürlich nach der üblichen Paßkontrolle. In jedem Ort und an jedem Brunnen, den wir unterwegs passierten, füllte ich meinen Kühler auf.

Um 14:00 Uhr erreichten wir ein namenloses Dorf, nachdem wir stundenlang auf einer serpentinenartigen Piste gefahren waren, die sich durch Fels- und Steinwüste und durch zahlreiche, staubige Wadis schlängelte. In diesem Kaff mußten wir uns erzählen lassen, dass wir leider falsch gefahren waren. Bevor wir umkehrten, versuchte ich noch, den Vorratsbehälter meines Kühlers auszubauen, um einige Lecks zu eliminieren und ggf. den Hauptfehler zu finden. Nachdem meine Bastelei zu keinem vernünftigen Ergebnis gekommen war, führen wir die ganze Sch..Strecke wieder zurück, mit allen Kurven, über Schotter und Geröll (Bild 28 ) und durch den vom Vordermann aufgewirbelten Staub, der diese trockene Hitze noch unerträglicher machte.

Plötzlich kam Peter nicht mehr weiter. Die Benzinleitung seines Trucks war verstopft. Wir bliesen die Leistung mittels der Reifenfüllanlage (Luftbremssystem) durch und saugten dann mit der Handpumpe wieder Diesel zum Motor. Nach einer halben Stunde konnten wir weiterfahren.

Einen Kamelhändler, der sein Domizil am Wegesrand aufgeschlagen hatte, fragten wir nach dem Weg nach Agadez. Er schickte als Führer eines seiner Kinder in Peters Lkw mit. An einer Weggabelung (mit Wegweiser!Bild 29 ) setzten wir unseren kleinen Pfadfinder wieder ab, als Lohn für seine Dienste bekam er ein T-Shirt von mir.

In einem weiteren "Dorf", diesmal auf dem richtigen Weg, füllte ich wieder Wasser auf, als wir gefragt wurden, ob wir zwei Bewohner mit nach Agadez nehmen könnten. Wir willigten ein, da wir den Weg ohnehin nicht kannten und es hier auch weder Wegweiser noch "Leitpfähle" (wie in Algerien) gab. Außerdem hatte sich die Piste bisher sehr oft gegabelt und wir wollten nicht noch mal knapp 200 km "Umwege" fahren. Unsere Fahrgäste, ein Ehepaar, luden nahezu ihren gesamten Hausstand auf meine Ladefläche und stiegen anschließend selbst dort auf.

Dann fuhren wir los, 100 Meter weit, denn Peters Lkw streikte. Wir versuchten es mit allen uns bekannten Tricks einschließlich Anschleppen, aber nichts passierte. Nach einer mittellangen Diskussion beschlossen wir, ihn bis Agadez zu schleppen, was aber bereits in der ersten Sandstrecke scheiterte.

Wir aßen erstmal zu Abend und beschlossen dann, dass Bernd und ich mit unseren Fahrzeugen nach Agadez fahren und dort einen Abschleppwagen besorgen sollten. Peter sollte bei seinem Truck warten (mit seiner Angst vor Geiern, Kojoten, Skorpionen und Eingeborenen). Um 22:00 Uhr brachen wir (Bernd, die Anhalter und ich) dann auf, nicht ohne Peter vorher "Alle Gute" gewünscht zu haben (Ich möchte auch nicht gerne allein in der Wüste rumstehen).

Auf der Fahrt mußte ich den VW einmal freischleppen, ansonsten hatte ich mit meinen Wagen selbst genug Probleme. Durch die untertourige Fahrerei im schwierigen Gelände bei Dunkelheit wurde der Motor viel zu heiß. Das Gelände war so unübersichtlich, dass ich einmal aus Versehen eine Felskante von ca. 50 cm Höhe herunterfuhr (krachte ordentlich).

Dann erreichten wir Asphaltstraße und nach 40 Kilometern waren wir in Agadez. Unsere Passagiere stiegen mit allen ihren Habseligkeiten aus und wir beide fuhren im Käfer in die Stadt und Kauften Zigaretten, Kekse und -in einer der örtlichen Diskotheken (!) zwei Dosen holländisches, leider lauwarmes Bier. Gegen 1:00 Uhr begaben wir uns zur Ruhe.


Donnerstag, 24.4.80

55°C, sonnig, 480 km
Erst um 7:15 Uhr wachte ich auf, Bernd schlief noch. Ich war am Vorabend sehr gut eingeschlafen, was wohl nur zum Teil an den Anstrengungen der Reise, zum größeren Teil an dem -zwischenzeitlich- ungewohnten Bier (lauwarm uns eine wenig wie Sekt schmeckend) gelegen hatte. Während ich darauf wartete, dass Bernd die Augen aufschlug, sah ich dem Treiben am Stadtrand zu, wo wir unsere Fahrzeuge geparkt hatten. Es ab sehr viele Mofas, verhältnismäßig viele Autos, aber auch Leute, die auf Eseln ritten. Aber es gab ausschließlich Schwarze, allerdings sehr unterschiedlich gekleidet: Manche europäisch, mit Anzug, einige etwas dandyhaft, beige Hose zu gelbem Hemd und -welche Albernheit im Sand- Plateauschuhe. Andere trugen die eher orientalische Landestracht: Weite Umhänge, Turbane und manche sogar ein Schwert an der Seite.

Nachdem Bernd aufgewacht und wir gewaschen waren, fuhren wir in die Stadt, um einzukaufen. Unterwegs sprach uns ein "Typ" an und fragte, ob wir eine Garage (=Werkstatt) brauchten. Wir bejahten, wollten aber zuerst frühstücken. Daraufhin entwickelte sich der "Typ" zu unserem ständigen Begleiter, Fremdenführer und Berater, zum Glück sprach er englisch.

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