Michael Koehn


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FREIZEIT

Sahara
IV

12.07.2012

Trans - Sahara - Tour   » 4 «


Wir frühstückten in einem -für uns- merkwürdigen Restaurant: Die Wände waren beklebt mit allen möglichen Postern und Bildern von Filmstars, Politikern und Heldentaten der nigerianischen Regierung. Ein Radio im Gastraum spielte orientalische Weisen, aus der Küche klang europäische Popmusik. Unsere Mahlzeit bestand aus Fleisch, Kartoffeln, Sauce, Brot, Nescafé und Eiswasser (Peter hätte die Hälfte davon verschmäht, es war ja alles nicht desinfiziert).

Nach dem Frühstück wechselten wir in einer Bank US$ 200,00 in CFA 42.000,00 um, gingen zur Polizei, füllten dort Anmeldekarten aus und sollten nach einer Stunde wiederkommen, um unsere Pässe abzuholen. Wir nutzten die Zeit, um einzukaufen. Unser Fremdenführer brachte uns zu einem Mann mit einem Lkw (Berliet), der für Abschleppen und Reparatur CFA 120.000,00 (also umgerechnet DM 1.200,00) haben wollte, was wir aber weder bezahlen wollten noch konnten. So wurden wir zu einem anderen Mechaniker geführt, der nach langer Verhandlung bereit war, den Lkw für drei Autoradios, zwei Taschenrechner und DM 300,00 in bar nach Agadez zu schleppen.

Unser "Typ" führte uns nun zu einem Hotelbesitzer -von allen "Patron" genannt- der uns anbot, uns einen Mechaniker mitzugeben. Als Lohn verlangte er drei Autoradios, zwei Taschenrechner und zwei neue Lkw-Reifen. Wir willigten ein. Nachdem wir in diesem Hotel-Restaurant noch ausgiebig und sehr gut gegessen hatten (Steak, Pommes Frittes, Zwiebeln, Brot und kühles Bier), fuhren wir mindestens eine Stunde kreuz und quer durch die Stadt, um Benzin und Kühlwasser zu bekommen. Unserem "Führer" war keine Tank- oder Wasserstelle recht, bis wir zu einem Privatmann kamen und das Gesuchte erhielten. Dann brachen wir mit fünf Mann Begleitung zu Peter auf.

Um 18:00 Uhr hatten wir ihn gefunden und schon nach 20-30 Minuten hatte der Mechaniker mit seinen Gehilfen behoben und wir fuhren gemeinsam zurück nach Agadez, wo wir alle gemeinsam ein Bier tranken und rauchten. Die Streichhölzer müssen - wie alles, wirklich alles - eingeführt werden, meist aus Nigeria.

Danach machten wir dem "Patron" klar, dass wir ihm ein Radio und einen Rechner sofort geben würden, den Rest sollte er am nächsten Tage bekommen. Als Pfand wollten wir meinen Lkw auf seinem Hof stehen lassen. Peters Lkw wollten wir -wegen der Möglichkeit, auf der Ladefläche zu schlafen- mitnehmen. Leider sprang er schon wieder nicht an, so dass wir ihn stehen ließen und meinen Truck mitnahmen. Wir besprachen bei einigen Bierchen noch unsere weiteren Schritte, bevor wir uns zur Ruhe begaben. Ich suchte mir eine einigermaßen saubere Ecke auf der Ladefläche zum Schlafen, Peter übernachtete -aus Angst vor allem und jedem- im verriegelten Führerhaus.


Freitag, 25.4.80

50°C, sonnig
Nachdem wir morgens unsere Katzenwäsche beendet hatten, fuhren wir in die Stadt und gingen in unser "Stamm-Frühstücks-Lokal", wo uns der Chef gleich fragte, ob wir Kaffee wollten (Kaffee zum Frühstück ist dort eigentlich nicht üblich). Zum Essen gab es Reis, Kartoffeln, Fleisch und Sauce, dazu Eiswasser.

Gegen 9:00 Uhr wollten wir die Formalitäten für Peter bei der Polizei erledigen und erfuhren, dass wir seinen Paß erst um 15:00 Uhr abholen könnten. Zurück im Hotel, erklärten wir dem Patron, dass die Reparatur schlecht ausgeführt worden war und wir nicht bezahlen wollen Wir sollten "ein paar Minuten" (schlußendlich bis 11:00 Uhr) warten, dann kam ein Mechaniker und erklärte uns, wie wir die Reparatur selbst ausführen könnten.

Somit bauten wir auch die beiden übrigen Autoradios aus und wuchteten Peter und meinen Ersatzreifen von den Lkws. In der Zwischenzeit meldete sich ein Interessent für den grauen, meinen Lkw, der nach zähen Verhandlungen CFA 500.000,00 zahlen wollte (ca. DM 5.000,00, der Preis, den die Firma in Deutschland dafür bezahlt hatte, obwohl er schon damals höchstens die Hälfte wert war).

Der Patron war mit den Ersatzreifen nicht zufrieden, so demontierten ein paar Eingeborene Peters Vorderrad, während ich die Werkzeugkiste von meinem auf Peters Lkw schraubte und auch den übrigen Krempel umpackte. Nachdem der Patron nun zufrieden war, kam er mit dem Mechaniker an, erzählte, dass dieser ein guter Mechaniker sei und verlangte, wir sollten ihm unseren einzigen 30/35" Schraubenschlüssel für CFA 2.200,00 verkaufen. Wir verlangten zwar CFA 3.000,00, aber Peter gab ihn dann doch -aus lauter Dankbarkeit und Töfeligkeit- für umgerechnet DM 20,00 weg.

Um auf den Mann mit dem Geld für den Lkw zu warten, gingen wir in die Hotelbar, tranken Bier und wollten die leeren Flaschen vom Vorabend zurückgeben. Erst nach längerer Diskussion (wir hatten angeblich keinen "Pfandschein"), bekamen wir unsere DM 2,50 Pfandgeld.

Um 14:30 Uhr erfuhren wir auf der Polizeiwache, dass Peters Paß nun erst um 17:00 Uhr abgeholt werden könnte. Also fuhren wir zurück ins Hotel SAHARA, um den Lkw-Deal zum Abschluß zu bringen. Leider erfuhren wir dort, dass es sich unser Kunde anders überlegt hatte. Also mußten wir wieder zur Bank. Wir wechselten US$ 500,00 und machten einen Schaufensterbummel. In Agadez gab es wirklich alles: Von den bereits erwähnten Diskotheken, Autogeschäfte, einen riesigen Plattenladen mit Tausenden von europäischen und amerikanischen Scheiben sowie allen erdenklichen Phonogeräten bis hin zu Restaurants, Friseuren und anderen Geschäften. Kurzum, wir waren in einer wirklichen Stadt -im Wortsinn- mitten in der Wüste.

Da wir nun absolut keine Lust mehr hatten, mit unseren "Geschäftspartnern" noch öfter zusammenzutreffen, fuhren wir zu einem ca. 10 Kilometer entfernten Campingplatz. Meinen Lkw versteckte ich etwas außerhalb hinter einigen Felsen, um Gebühren zu sparen. Leider vergaß ich alle Papiere und unser Geld dort, mußte also noch mal zurücklaufen.

Dieser Campingplatz war eine wahre Oase: Es gab dort Bäume, Schatten, einen Swimmingpool, Duschen (durchlöcherte Eimer, die an der Decke montiert und mit Absperr-Schiebern versehen waren), französische Toiletten und vieles mehr. Auf dem Platz lernten wir eine Reisegruppe kennen, die -von London kommend- an einem Trans-Sahara-Trip teilnahmen, zusammengepfercht in Range-Rovers. Die Leute kamen aus den unterschiedlichsten Ländern: England, USA, Kanada, Australien und Österreich.

Eine alleinreisende Amerikanerin (Barbara), die schon einmal drei Jahre in Afrika gelebt hatte, beschließt, sich uns bis In Gall anzuschließen. Wir sind gerne damit einverstanden, schon deswegen, weil sie wesentlich besser französisch spricht, als wir mit unseren (mangelhaften) Schulkenntnissen.

Ich kaufe noch eine vernähte Ziegenhaut für heruntergehandelte CFA 55.000,00 (DM 55,00). Man konnte Trinkwasser einfüllen, welches sehr schnell kühl wurde, da die Feuchtigkeit durch das Leder nach außen drang und dort verdunstete. Im Gegensatz zu Peters Befürchtungen schmeckte das Wasser auch nicht nach Ziege.

Abends aßen wir direkt dort auf dem Platz (sozusagen Vollpension): Suppe, Brot, Leberkäse, Kamelsteak (hervorragend !!) und Ananas. Später unterhielten wir uns bei ein paar Bierchen bis spät in die Nacht.


Samstag, 26.4.80

45-50°C, sonnig, 142 km
Nach dem Aufstehen frühstücken wir zusammen mir Barbara, allerdings nur Kaffee und vertrödeln dann den Vormittag mit Faulenzen, Reden und Baden in dem -mit Fröschen und kleinen Fischen bevölkerten- Swimmingpool.

Um 11:00 Uhr fuhren Bernd und Peter mit Barbara in die Stadt, um ihr Gepäck zu holen und Wasser und Lebensmittel zu besorgen. Ich habe in der Zwischenzeit Wäsche gewaschen und versucht, die kläglichen Reste unseres Abschleppseils wieder zu einer gebrauchstüchtigen Einheit zusammen zu basteln (Bild 30 ). Außerdem beobachtete ich die fremdartigen, laut zwitschernden Vögel, die mich schon am Morgen geweckt hatten.

Nachdem die drei von Ihren Besorgungen zurückgekehrt waren, tranken wir ein Bier, kühlten uns im Pool ab, packten zusammen und fuhren zu meinem Lkw. Ich hatte ihn so gut versteckt, dass Peter ihn zwischen den Felsen nicht entdeckte, bis wir direkt davor standen. Von dort fuhren wir zum Tanken in die Stadt.

Von den vier Tankstellen am Ort hatten nur zwei geöffnet. Ich Tankte und füllte Wasser in die Kühlanlage. Als Peter tanken wollte, gab die Zapfsäule ihren Geist auf. So mußten wir zu der anderen geöffneten Tankstelle verhohlen, Peter tankte dort und wir bezahlten umgerechnet DM 1,12 per Liter. Dieser Preis machte uns deutlich, dass man uns bei der "Privattankstelle", an der wir zwei Tage vorher mit unserem "Fremdenführer" gewesen waren, gehörig beschissen hatte: Dort hatten wir ca. DM 1,70 für einen Liter hinlegen müssen.

Um 17:00 Uhr kamen wir dann endlich los, vorerst nur bis zur Paßkontrolle am Ortsausgang, die wir aber anstandslos passierten.

Nach 45 Kilometern war die angenehm zu befahrende Asphaltstraße zu Ende und wir mußten wieder die Vibrationen der Wellblechpiste ertragen. Ungefähr drei Kilometer von In Gall -es war zwischenzeitlich dunkel geworden, konnte ich nicht mehr weiterfahren, da meine Scheinwerfer nicht ordentlich funktionierten: Der linke hatte einen Wackelkontakt (ging dauernd an und aus), der rechte strahlte den Himmel an. Auch das Kühlwasser hatte -trotz der nächtlich gemäßigten Temperaturen- bereits wieder die 120°C-Marke erreicht und das Motoröl begann, zu verdampfen.

Außerdem war die Verriegelung der seitlichen, linken Ladebordwand defekt und die Klappe knallte alle paar Kilometer hinunter und scheuerte am Reifen. Da wir bereits 40 Kilometer vorher einem einheimischen Lkw beim Reifenflicken geholfen hatte, war es nun 22:00 Uhr und stockdunkel geworden. Trotzdem schafften wir es, die Schäden an meinem alten, grauen Lkw notdürftig zu richten und erreichten um 23:00 In Gall.

Als wir auf dem Markt- / Dorfplatz standen, um auf Peter zu warten (er hatte einen Anhalter mitgenommen, den er nun nach Hause fuhr), kam ein Polizist, wünschte uns einen guten Abend, zeigte uns die Polizeistation und ging wieder von dannen, nachdem er sich noch gewundert hatte, wo wir so spät herkämen. Das war der erste freundliche Polizist, den wir bisher in Afrika getroffen hatten!

Nachdem Peter wieder zu uns gestoßen war, gingen wir also zur Polizeistation zu "unserem" Polizisten. Er sah sich allerdings nur Barbaras und Bernds Paß an und meinte, alles sei OK.

Wir fuhren noch einige Meter die Dorfstraße entlang, kauften unter Schwierigkeiten vier Dosen warmes (fast heißes) Bier und aßen zu Abend (Tomaten von Barbara, Suppe, Brot und Kaffee). Später verkroch sich Peter in sein Führerhaus, ich half Barbara auf Peters Ladefläche und unterhielt mich noch etwas mit Bernd, bis wir uns gegen Mitternacht auch aufs Ohr legten.


Sonntag, 27.4.80

50°C, sonnig, 143 km
Bereits um 6:00 Uhr wachte ich auf und vervollständigte meine Tagebuchnotizen. Danach ging ich an meine zu diesem Zeitpunkt bereits tägliche Beschäftigung: Die Reparatur meines Lkw. An diesem Morgen entfernte ich mit Hilfe eines Schraubendrehers (als Körner und / oder Meißel benutzt) eine der drei abgebrochenen Halteschrauben des Allrad-Getriebes, baute die Trittstange unter der Stoßstange von Peters Lkw ab und hatte damit die benötigte 10er Schraube für mein Getriebe.

Als das erledigt war, begann ich, meinen Kühler auseinander zu nehmen, um die größten Lecks abzudichten. Zwischendurch gab es Frühstück, wobei uns -wie die ganze Zeit- mindestens die Hälfte der Dorfjugend staunend umringte.

Nachdem meine Arbeiten am Kühler beendet waren, verabschiedeten wir uns von Barbara, ergänzten am Ortsausgang noch unsere Wasservorräte (gegen umgerechnet DM 10,00) und fuhren gegen 11:00 wirklich los.

Auf der Puderzucker-Piste (wenn man ausstieg, versank man bis zu den Knöcheln im Sand) blieb der Käfer häufig stecken und wir mußten unter sengender Sonne den glühend-heißen Wagen schieben. Wir legten Handtücher oder Lappen auf das Blech, um keine Brandblasen zu bekommen. An einer Stelle, an der die Piste besonders schlimm war, kamen plötzlich Kinder -eine ganze Horde- und boten uns an, eine bessere Piste zu zeigen. Wir willigten ein, zahlten CFA 2.000 (DM 20,00), der Führer der Kinderschar stieg zu Bernd in den VW und fünf oder sechs der Gören quetschten sich in mein Führerhaus. Nach mehreren Zwischenstops, die der "Führer" einlegte, um Freunde zu begrüßen (und wohl mit uns anzugeben), landeten wir wieder auf einer Piste. Jetzt wollten die Kleinen noch "Geschenke" und bekamen ein Paar Socken, um sie zum Aussteigen zu bewegen. Später merkte ich, dass sie auch mein Handtuch hatten mitgehen lassen.

Je südlicher wir Kamen, um so mehr Bewuchs was zu sehen, hier war der Boden schon über weite Strecken mit "Gras" bedeckt und es wuchsen verschiedene Arten von Bäumen und Sträuchern, allerdings sehr karg und kleingewachsen. Ab und zu sahen wir auch kleine Tiere, die unseren Eichhörnchen ähnlich sahen. Die Menschen hielten hier -neben Kamelen und Ziegen- auch zunehmend Rinder.

Gegen 19:00 Uhr erreichten wir eine Straßenbaustelle und nahmen an, dass wir nun bald wieder Asphalt vorfinden und die Fahrt einfacher würde. Zunächst machten wir uns jedoch für die Nacht fertig und beratschlagten über unsere Probleme: Der Wassersack hatte sich ein Loch gerissen, als wir ihn während der Fahrt zwecks besserer Kühlung außen an der Tür angebracht hatten. Dadurch hatten wir ca. 4 Liter Trinkwasser verloren.

Noch schlimmer war allerdings mal wieder mein Allradgetriebe. Die Halterung, die ich erst am morgen repariert hatte, war mitsamt dem Rahmen abgerissen, das Getriebe wurde also nur noch von der Kardanwelle gehalten. Wir beschlossen, eine provisorisch Halterung aus einem alten Bettgestell zu bauen, dass wir am Wegesrand gefunden hatten.

Doch zuerst aßen wir zu Abend und tranken Milch (aus Pulver) und begaben uns zur Ruhe. Doch an Schlaf war nicht zu denken: Schon während des Abendbrotes hatten sich drei Eingeborene keine zwei Meter von uns entfernt niedergehockt und starrten uns seitdem ununterbrochen an. Außerdem quietschte die Fördermechanik eines Brunnens in der Nähe und auch die Ochsen, die diesen in Gang hielten, brüllten. Das ging die ganze Nacht hindurch, wir bekamen kaum in Auge zu.


Montag, 28.4.80

45°C, heiter, 194 km
Durch den Lärm des Brunnens wachte ich schon gegen 5:30 Uhr auf. Ich döste noch ein paar Minuten und machte mich dann an den Versuch, mein Allrad-Getriebe wieder an die Stelle zu bekommen, wo es hingehörte. Nachdem ich das Bettgestell, welches als Halterung dienen sollte, auseinandergesägt hatte, gab es Frühstück.

Es stellte sich dann heraus, dass wir unseren Plan nicht verwirklichen konnten, da es uns mangels entsprechendem Werkzeug nicht gelang, die Teile des Bettgestells in Form zu biegen. Also baute ich eines der Drahtseile ab, welche die Ladefläche des Lkw in gekipptem Zustand sichern, schlang es um das Getriebe und sicherte die "Konstruktion" mit Schäkeln am Chassis.

Wenn das wenigsten das einzig "Wehweh" meines Trucks gewesen wäre! Aber auch das Schaltgetriebe und die meisten Differenziale verloren Öl, die Armaturen-Tafel kippte dauernd auf die Lenksäule, die Instrumente funktionierten nicht oder nicht mehr, usw. usw. usw.

Um Halb zehn ging es dann weiter. Mein Lkw schnaufte, das Getriebe knarrte und knackte, schaffte es aber bis Abalak. Wir tranken ein Bier und hörten einem Musikanten zu der auf einem Banjo-ähnlichen Instrument spielte, dazu sang und nebenbei irgendwelche Rauschmittel zu sich nahm.

"On the road again", begann endlich Asphalt, ca. 160 km vor Tahua, aber mein Lkw war wohl endgültig am Ende: Das Getriebe hatte soviel Öl verloren, dass es trockenlief, das Allrad-Getrieb hing schon wieder fast auf der Straße und ich konnte kaum schneller als 30 km/h fahren. Wir versuchten, den Lkw zu schleppen, aber auch das hatte keinen Sinn, da durch die bisherige Strecke beide Fahrzeuge so "geschwächt" waren, dass auch das Gespann -Peters Lkw vorne, meiner hinten- nicht schneller als 30 km/h war.

So beschlossen wir schweren Herzens, den Lkw stehen zu lassen. Ich tat mich besonders schwer, nicht nur, weil ich dann selbst kein Fahrzeug mehr hätte, auch weil ich bei all diesen Reparaturen doch in den paar Tagen mehr gelernt hatte, als ein Mechaniker-Lehrling im ganzen ersten Jahr seiner Ausbildung. Wir pumpten den restlichen Treibstoff in Peters Tank und versteckten ihn etwas abseits der Straße, da wir in Tahua versuchen wollten, ihn als "Ersatzteillager" zu verkaufen.

Auf der Weiterfahrt in Peters Lkw schlief ich, wenn wir nicht gerade wieder mal von der Straße auf ein Stück Piste mußten, um eine nicht fertiggestellt Brücke zu umfahren, die später einmal wohl die Wadis überführen sollten.

In Tahua gingen wir als erstes ein Bier trinken und dann noch eins und dann fuhren Bernd und sich zum Einkaufen. Auf einem Basar bekamen wir sehr günstig Ananas, Kokos- und Erdnüsse, Zwiebeln, Brot, Brühwürfel und Zigaretten. Anschließend gingen wir zurück in die Bar des örtlichen Hotels (ein Gebäude im Kolonialstil, wie im Film "Casablanca", mit riesigen Ventilatoren an der Decke) und vertrieben uns die Zeit bis zum Essen mit gekühlten Getränken. Wir wollten in diesem Hotel nicht übernachten, meinten aber, uns ein richtiges Essen -mit Messer und Gabel, fertig serviert, am Tisch- verdient zu haben.

Die Landschaft sah hier schon wieder ganz anders aus: Wir waren kurz von Tahua durch ein mit Bäumen bestandenes Tal gekommen, ein See lag idyllisch in der Landschaft (Bild 31 ) und alles sah (relativ) grün und saftig aus. Es zogen sich auch weite Gartenanlagen an der Straße entlang und alle paar Kilometer lag am Wegesrand ein Dorf, bestehend aus Lehmhütten und Vorratsspeichern, die wie riesige Tonkrüge aussahen, denen man einen Strohhut aufgesetzt hatte.

Zum Abendessen gab es dann Steaks, Pommes Frittes und Salat. Die Steaks waren sehr groß, die Mahlzeit überhaupt sehr reichlich. Nachdem wir noch ein wenig geknobelt hatten, gingen wir ins Bett (d.h. auf unsere restlichen Fahrzeuge.


Dienstag, 29.4.80

45°C, bedeckt, windig, 547 km
Nach dem Frühstück (Kaffee, Brot, frische Ananas - nicht im Hotel) füllten wir die Wasserkanister auf und fuhren gegen 9:00 Uhr weiter. Die Vegetation änderte sich zusehends: Hohes, gelbliches Gras beherrschte das Bild, häufiger sahen wir Bäume, besonders in Tälern oder Senken. auch die Besiedlung wurde dichte, laufend passierten wir Dörfer (die hier sogar alle ein Ortsschild vorweisen konnten). Mitten im Dort befand sich meist eine Polizeistation mit "Schlagbaum" (ein mit Stoffetzen verziertes Seil, zwischen zwei alten Ölfässern quer über die Straße gespannt). Dort mußte man offiziell anhalten und sich melden. Oft sind wir allerdings durchgefahren, da die Polizisten selbst zu faul waren, jemanden zu kontrollieren und ihren "Schlagbaum" geöffnet hatten.

An manchen Stellen mußten wir dennoch mit der Geschwindigkeit heruntergehen, wenn Rinderherden die Straße überquerten, immer ein Rind nach dem anderen. Alle paar Kilometer versuchten Leute, Knüppelholz zu verkaufen. Einige der "Holzhändler" hatten rund um ihren Stand alles niedergebrannt, wohl um zu verhindern, dass sich jemand sein Brennmaterial selbst suchte.

In einem Ort, Dosso, wurden wir von einem Polizisten darauf hingewiesen, dass wir uns unbedingt im "Polizei-Hauptquartier" melden mußten. Dort angekommen, lag der "Sheriff", scheinbar betrunken, auf einem Feldbett in der Mitte des Raumes, direkt unter dem Ventilator und stand erst auf, nachdem er sich vergewissert hatte, dass dies unbedingt nötig war. Nachdem wir die obligatorischen Meldekärtchen ausgefüllt hatten, bekamen wir einen Zettel, der wohl so etwas wie der Passierschein für den Ortsausgang sein sollte.

Wir kauften noch Kaffee, tranken kühles Bier und fuhren dann weiter. Bernd und Peter im Lkw, ich mit dem VW. Die Landschaft würde zunehmend grüner: An der Straße zogen sich Wälder entlang, das Gras zeigte eine gesunde, kräftige Farbe, kurzum, man merkte die unmittelbare Nähe des Flusses Niger.

Um ca. 10:00 Uhr hielten wir an, 10 km vor dem Grenzort Gaya und aßen zu Abend (selbstgemachte Zwiebelsuppe, Brot Kaffee und Milch), eine Kokosnuß zum Nachtisch und gingen schon gegen 21:15 Uhr schlafen.

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