Michael Koehn


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FREIZEIT

Sahara
V

12.07.2012

Trans - Sahara - Tour   » 5 «


Mittwoch, 30.4.80

45°C, bedeckt, 145 km
Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht standen wir auf und frühstückten, bevor wir nach Gaya fuhren. Nach dem Tanken ging es dann die paar Meter bis zum Niger und zur Grenzstation (Bild 32 ). An der Grenze gab es keinerlei Probleme, auch nicht wegen des fehlenden Lkw. Nach ca. ½ Stunde durften wir weiter und konnten den Niger überqueren.

Auf der Seite von Benin wurden wir durchsucht und gefilzt und in die dortige Grenzstadt Malanville geschickt, um unsere Pässe abstempeln zu lassen. Dort angekommen, mußten wir erst auf einen hohen Polizeioffizier warten, der die Einreiseformulare eingeschlossen hatte. Während der Wartezeit beobachteten wir ein sogenanntes "Bus-Taxi" einen ziemlich alten Peugeot 404, der anstelle des Fond einen Holzverschlag montiert hatte, aus dem ca. 20 (in Worten: zwanzig) Personen ausstiegen, von dem Gepäck all dieser Personen auf dem Dach des Verschlages gar nicht zu reden. Das Problem solcher Schwerttransporte ließ sich an dem Chassis gut erkennen: Der Wagen war durchgebrochen und mittels dicker Holzbohlen, die mit dem Rahmen verbolzt waren, wieder repariert worden.

Beim Ausfüllen unserer Formulare half uns Horst, ein junger Stuttgarter, der den Weg durch die Wüste mit dem Fahrrad zurückgelegt hatte und den wir bis Cotonou mitnehmen wollten. Horst sprach sehr gut französisch, allerdings mit einem enormen, sogar für uns kaum erträglichen schwäbischen Akzent.

Nachdem die Formalitäten erledigt waren, gingen wir in einen absolut europäischen Supermarkt und kauften -neben Keksen und Zigaretten- eine Flasche Johnny Walker für umgerechnet DM 9,00-. Von diesen Supermärkten existierten in Benin eine ganze Reihe. Wahrscheinlich von der DDR oder einem anderen "sozialistischen Bruderland" finanziert, konnten sich die wenigsten Einheimischen -trotz der für unsere Verhältnisse sehr günstigen Preise- einen Einkauf in so einem "Paradies" leisten. Verwundert fragten wir uns nur, woher das vergleichsweise riesige Warenangebot stammte (und wie dessen Kauf finanziert worden war). Auch ein Bier nahmen wir in der zum Supermarkt gehörenden Bar zu uns.

Und weiter ging es, allerdings nur bis zum übernächsten Dorf. Hier sollten wir -bei der in Benin überall sehr gewissenhaften Kontrolle- die grüne Versicherungskarte für den VW vorweisen. Es interessierte den Polizisten überhaupt nicht, dass diese Karte für Benin nicht gültig war. Wir mussten umkehren und uns in dem kurz vorher passierten Dorf ein "Laissez-Passer"-Papier besorgen. Nachdem wir dieses besorgt (für umgerechnet DM 42,00) und vorgewiesen hatten, wurde uns mitgeteilt, dass es sich hierbei nicht um ein Versicherungsdokument handelte sondern lediglich um eine Quittung für Straßenbenutzungsgebühr.

Nach einer ziemlich langen Diskussion mit dem Polizisten (der sich selbst als "Chef de District" bezeichnete und sein Büro in Form einer Holzbank unter einem Baum im Freien hatte), wollte der Mann CFA 10.000 (ca. DM 100,00) von uns für eine Versicherung haben. Da wir CFA nicht in dieser Menge besaßen, boten wir ihm US$ an, die aber abgelehnt wurden. So gaben wir ihm FF 200 (ca. DM 85,00) und er fuhr erst mal mit seiner Mofa davon, um sich ein Bier zu besorgen.

Später machte er sich daran, Quittungen auszufüllen. Da wir den "Preis" von CFA 10.000 für recht unverschämt hielten -zumal wir davon ausgingen, dass dieses Geld zumindest teilweise in seiner eigenen Tasche landete- hatten wir darauf bestanden, eine offizielle Quittung zu erhalten. Die Formulare -noch unter der Überschrift Republique du Dahoney- die er vorliegen hatte, besaßen leider einen Eindruck 300 francs (CFA), so dass er die stattliche Zahl von 33 Quittungen auszustellen hatte (Bild 34 ).

Bei der fünften Quittung war es bereits 14:30 Uhr (und wir hatten erst 50 km geschafft). Nach der zehnten Quittung hatte er keine Lust mehr und gab uns FF 100 wieder. Wir wollten eigentlich darauf bestehen, weitere Quittungen oder mehr Geld zurück zu bekommen, verzichteten aber mit einem Blick auf die Uhr auf die zu erwartende weitere Diskussion und konnten um 15:15 Uhr endlich weiterfahren.

In Kandi tranken wir erst mal in Ruhe ein Bier (Bild 33 ), ließen unsere Pässe abstempeln, kauften Zwiebeln, Brot und Brühwürfel und versuchten FF in CFA zu tauschen, was uns jedoch nicht gelang. Auf dem Markt aßen wir frisch zubereitete, sehr gut schmeckende Maismehlkuchen (pro Stück DM 0,05) und gaben für eine weitere Flasche Bier (für jeden) unser letzes beninisches Geld aus.

Zur Nacht fuhren wir zwei Kilometer aus dem Ort hinaus und ließen uns unter einem Riesenbaum nieder. Horst besaß einen richtigen Topf, wir konnten unsere Zwiebelsuppe also in einem "Rutsch" kochen und essen (nicht, wie sonst mit unserer Konservendose immer etappenweise). Anschließend gab es noch Kaffee, Milch und dann Whiskey mit Wasser. Schon beim Essen hatte uns eine Wetterleuchten erfreut, welches den gesamten Horizont beleuchtete.

Um ca. 22:00 Uhr gingen wir ins "Bett", wurden aber gegen Mitternacht wieder geweckt, da das Wetterleuchten, inzwischen mit Donner und leichtem Wind, bis zu uns herangekommen war. Im Laufe der folgenden 1 ½ Stunden erlebten wir ein richtiges, tropisches Gewitter: Zuerst das Wetterleuchten, dass die ganze Gegend taghell erleuchtete (und zwar ununterbrochen), dann immer stärker werdenden Wind, bis hin zu Sturm in Stärken von 9 - 11 Bft, schließlich auch Regen und zum Schluß kam alles zusammen.

An Schlaf war nun nicht mehr zu denken, erstens war alles pitschnaß und zweitens war ein ehedem trockener See in der Nähe nun mit Wasser gefüllt, was die dort lebenden Frösche "zum Leben erweckt" hatte. Sie veranstalteten ein Quak-Konzert, in enormer Lautstärke, die ganze Nacht hindurch. Wir gingen zu diesem Teich, die Lautstärke dort war unerträglich, aber es war ein eindrucksvollen Naturschauspiel (Hörspiel?).

Die Luft hatte sich merklich abgekühlt, die Regenzeit war gekommen. Ich versuchte -voll bekleidet- noch etwas Schlaf unter dem Lkw zu finden.


Donnerstag, 1.5.80

45°C, heiter bis wolkig, 305 km
Nachdem ich aufgewacht war, ging ich mit Horst zu dem Teich (Bild 35 ) und wir wuschen uns, wie immer etwas provisorisch, aber diesmal gründlicher, da wir mit dem Wasser nicht sparen mussten. Anschließend frühstückten wir, zusammengedrängt im Lkw, weil es außen noch zu naß war. Als wir aufbrechen wollten, sprang der Käfer nicht an. Um 10:45 Uhr hatten wir ihn endlich zum Laufen gebracht -auch einen zuerst nicht mitlaufenden Zylinder- und fuhren los.

Die Vegetation bestand hier hauptsächlich aus Buschwald. Oft sahen wir bis zu zwei Meter hohe Termitenhügel an der Straße und überall huschten Leguan-ähnliche Echsen über Straßen, Wege und sogar Mauern. Auch Vögel gab es in großer Zahl und man hörte immer Zikaden, die hier bis zu 10 cm lang werden sollten.

Um 14:30 Uhr erreichten wir Parakou, wechselten Geld, aßen und tranken etwas. Nach dem Mittag -gegen 16:00 Uhr- fuhren wir zur Polizei, wo uns ein offensichtlich betrunkener Polizist überreden wollte, bis zum nächsten Tag in Parakou zu bleiben, weil der angeblich einzige Mann, der diese Abfertigung vornehmen könnte, nicht anwesend sei. Wir machten ihm klar, dass wie uns das schon aus finanziellen Gründen nicht leisten könnten und er zwängte sich zu Bernd in den VW, um den Abfertigungs-Chef suchen zu fahren. Schon nach einer halben Stunde kamen die beiden zurück und der Polizist erklärte, sein Chef käme bald.

Da uns die Zeit zu kostbar war, fuhren die anderen tanken und einkaufen, während ich wartete. Nach einer weiteren halben Stunde kam der "Oberspinner" endlich und nach 10 Minuten hatte ich meinen Stempel im Paß.

Gegen 18:00 Uhr kamen auch die anderen zurück, steckten ihre Pässe ein und erzählten mir, dass der Tankwart, bei dem sie den Lkw mit Diesel versorgt hatten, die ganzen 160 Liter mit einer Handpumpe hatte fördern müssen, da die Tanksäule keine elektrische Pumpe besaß (Bild 36 ).

Zum Abendessen kurz vor zwanzig Uhr gab es Paprika-Suppe mit Sago und Tomatenmark, Kaffee und eine riesige Ananas -ca. 2,5 kg- die nur DM 2,00- gekostet hatte. Da Peter mit unserem mühsam gekühlten Wasser mal wieder zu verschwenderisch umgegangen war, sah es mit einem Whiskey mit kühlem Wasser einigermaßen schlecht aus. Am westlichen Horizont sahen wir schon wieder Wetterleuchten hinter den Wolken und ich überlegte, mein Zelt aufzustellen. Da der Mond am östlichen Horizont aber an einem völlig klaren Himmel unterging, sparte ich mir die Mühe.


Freitag, 2.5.80

25°C, bedeckt, Regen, 373 km
Nachts um 4:00 Uhr fing es dann doch wieder an zu regnen. Horst, Peter und ich zogen uns in das Lkw-Führerhaus zurück und versuchten, dort zu schlafen. Obwohl es uns selbst unwahrscheinlich erschienen war, schliefen wir tatsächlich ein.

Um halb sieben beschlossen wir, aufzustehen und zu frühstücken. Da unser Brennstoff zu Ende ging, kochten wir -unter dem Lkw- im Kaffeeewasser auch ein paar Eier.

Ein paar Kilometer weiter mussten wir in einem Dorf schon wieder eine Paßkontrolle über uns ergehen lassen. Als wir schon fast zur Weiterfahrt bereit waren, fragte Bernd, ob wir fotografieren dürften. Mit Erlaubnis schoß Bernd ein Foto und ein anderer Polizist -scheinbar höherer Dienstgrad- sah das und machte Terror: Wir hätten ein militärischen Geheimnis (Lehmhütte mit dem typischen "Zwei - Fässer - mit - Seil - dazwischen - Schlagbaum" ) fotografiert. Wir erklärten ihm, dass wir seinen Kollegen um Erlaubnis gefragt hatten, aber er ging wortlos in seine Lehmhütte und kam mit einer Maschinenpistole im Anschlag wieder heraus. Da wir nicht sofort reagierten und ihm die Kamera aushändigten, entsicherte er die Waffe.

So überredet, händigten wir ihm die Kamera aus. Er entfernte den Film zusammen mit der Leerspule und gab uns den Apparat zurück. Wir brauchten eine halbe Stunde, um ihn davon zu überzeugen, uns auch die Leerspule wiederzugeben (Es war immerhin unser einziger noch ordentlich funktionierender Fotoapparat und ohne Leerspule war er wertlos).

Je weiter südlich man kam desto stärker hatte sich scheinbar das Christentum durchgesetzt. Immer häufiger sahen wir auch in kleineren Orten relativ große, sogar aus Stein erbaute Kirchen mit Kreuzen und bunten Glasfenstern. Viele Frauen liefen trotzdem "ohen-ohne" rum, was optisch allerdings in den seltensten Fällen ein Vergnügen war.

Um 14:30 Uhr erreichten wir Bohicon und versuchten -mal wieder vergeblich, Geld zu wechseln. Die Bank hatte geschlossen und der Manager im einzigen Hotel wechselte nicht. US-Dollar waren in Benin leider nicht so angesehen, wie wir gehofft hatten, wesentlich besser kam man mit Französischen Francs weiter. Also liehen wir uns von Horst etwas einheimisches Geld, tankten, kauften noch etwas Brot und fuhren bereits eine halbe Stunde später weiter.

Was uns hier in Benin -neben dem Ungeziefer- am meisten störte, waren die Einheimischen ("Bimbos") in Uniform, die sich fast wie Halbgötter vorkamen. Mit der Zeit entwickelten wir einen richtigen "Haß" auf alles, was schwarz aussah und spielten -quasi aus Rache- das "Bombo-spring-Spiel": Wenn wir auf einer noch so breiten Straße einen Farbigen entgegenkommen sahen, schlug dieser sich in die Büsche. Vielleicht hatten sie schlechte Erfahrungen mit den technisch sicherlich oft unsicheren Lkws gemacht, wir unterstützten sie jedenfalls in ihren Bemühungen und fuhren extra dicht an den Rand, worauf die Leute sich noch weiter verkrümelten.

In Benin hatten die Leute eine für uns undurchschaubare Art, ihre Straßen zu bauen: Ein paar Kilometer waren geteert, dann gab es ein paar Kilometer Piste, wieder einige Kilometer Asphalt, dann wieder Piste, usw. Die Pistenabschnitte waren noch nicht aufgeweicht -wie mitten in der Regenzeit, aber es gab schon einige Stellen, an denen es nicht ganz einfach war, das mit Wasser vollgelaufene Wellblech zu befahren (Bild 37 ).

Nachdem wir in Allada endlich eine Tankstelle gefunden hatten, die sogar Benzin hatte, tankten wir (für CFA 1.500, die Horst uns wieder lieh) und fuhren weiter in Richtung Cotonou. Jetzt wurde die Strecke auch besser, nicht mehr dauernd von Pistenabschnitten unterbrochen oder von bis zu 20-20 cm tiefen Schlaglöchern fast unpassierbar gemacht.

Genen 17:00 Uhr erreichten wir -nach 7.600 Kilometern- unser Ziel: Cotonou. Eine halbe Stunde später hatten wir auch schon das Hotel BABU gefunden, dass uns von Truckern und Globetrottern als preiswert empfohlen worden war. Die Zimmer waren primitiv, aber sauber und hatten sogar eine Dusche. Allerdings bestand Peter auf seinem -seiner Meinung nach berechtigten- Anspruch auf ein Zimmer mit Klimaanlage und gekacheltem Bad. So fuhren wir weiter, statteten dem Hotel DU LAC einen Besuch ab, waren aber einstimmig der Meinung, dass diese Herberge wohl doch eine Nummer zu gut sei (absolute Luxusklasse), außerdem in privater Hand und daher extrem teuer. Endlich stiegen wir im Hotel PACIFIC ab, Übernachtung im Doppelzimmer für DM 45,00.

Wir gingen auf unsere Zimmer und duschten ENDLICH, wuschen die Haare (das Wasser nach der ersten Haarwäsche hätte man ohne weiteres als Ochsenschwanzsuppe verkaufen können) und ruhten uns etwas aus. Anschließend versuchten wir, im DU LAC Geld zu wechseln, wo man sich allerdings weigerte, uns aber mitteilte, dass die Banken auch am kommenden Samstag zwischen 7:00 und 10:00 Uhr geöffnet hätten.

Also kehrten wir zurück in unser Hotel, aßen zu Abend (Salat, Steak, Pommes Frittes, Erbsen und Bohnen), tranken diverse Biere und begaben uns um 23:00 Uhr in unsere Gemächer. Die erste Nacht in richtigen Betten schliefen wir wie Steine -oder Babys.


Samstag, 3.5.80

40°C, sonnig
Um halb acht wurde ich wach, weil Peter versuchte, den Lkw anzulassen, der direkt unter dem Fenster stand. Wir frühstückten und fuhren in die Stadt, um eine Bank zu suchen. Zwar gab es zahlreiche Banken, einige richtige Bankpaläste, aber nur eine einzige, die Geld wechseln durfte (der CFA war keine konvertierbare Währung). Diese einzige Wechselbank fanden wir gegen 9:45 Uhr, aber die Pforten waren bereits geschlossen (damit die Angestellten auch pünktlich um 10:00 Uhr Feierabend machen konnten).

Also fuhren wir weiter, Für europäische Gemüter wäre diese Stadt eine Zumutung gewesen: Jeder fuhr, wie er gerade wollte, die wenigen funktionierenden Ampeln wurden nicht beachtet und man "verständigte" sich mittel Hupe und -was und sehr verwunderte- scheinbar auch der Scheibenwischer (den "Code" konnten wir während unseres Aufenthaltes nicht knacken). Auch die Straßen waren schlimm: metergroße Schlaglöcher auf der Fahrbahn. Die Autos fuhren daher oft einfach über die Fußwege. Außerdem gab es Unmengen von Mofas, die sich den Teufel um die Autos scherten. Um ggf. Hilfe beim Verkauf der Fahrzeuge und bei den dann anstehenden administrativen Dingen zu erhalten, fuhren wir zur SONATRAC, der Staats-Spedition, wo Peter einen Geschäftsfreund hatte. Dieser empfing uns tatsächlich im Büro (gut eingerichtet, mehrere Telefone, Besucherecke, durchaus europäischer Standard) und riet uns, entweder am Flughafen oder auf dem Schwarzmarkt Geld zu tauschen. Bevor wir uns verabschiedeten, versprach er, und am Nachmittag im Hotel zu besuchen.

Wir fuhren also zum Flughafen, fanden aber in der Wechselstube niemanden vor. Man sagte uns, der Angestellte wäre "bald" zurück. So warteten wir, diesmal nicht in der prallen Sonne, sondern in einer kühlen Flughafenhalle mit leiser Musik, die aus einem Plattengeschäfft herüberschallte. Nachdem wir endlich US$ 379,00 gewechselt hatten, fuhren wir zurück ins Hotel und aßen zu Mittag.

Bernd trank nur einen Tee, da er sich eine Magenverstimmung zugezogen hatte, Peter und ich nahmen russischen Salat, Omelette und Brot, dazu das schon fast obligatorische Bier "Flag" (Bild 38 ). Diese Bier war gut gekühlt und schmeckte vorzüglich.

Zur besseren Verdauung legten wir uns anschließend zu einem Mittagsschläfchen nieder. Gegen 16:00 Uhr fuhren Bernd und ich gut erholt in die Stadt und sahen uns den Markt von Cotonou an: Auf einer Fläche von mindestens vier Quadratkilometern reihte sich Stand an Stand. In der Hauptsache wurden allerdings nur vier verschiedene Waren angeboten: Die bereits erwähnten Maiskuchen -die wir des öfteren aßen- eine Art Schwarzwurzel, Fisch und alle Arten von Plastikwaren. Der Markt war vollgestopft mit Menschen, Farben, Gerüchen (Bild 39 undBild 40 ). Vor dort fuhren wir weiter zum Flughafen (Postkarten einstecken, Drinks nehmen) und anschließend an die Atlantik-Küste. Das Wasser hatte hier dank des Golfstroms eine Temperatur von ca. 30°C, Baden konnten wir allerdings nicht, da der Strand (leicht) ölverpestet war.

Zurück im Hotel, warteten wir -vergeblich- auf Peters Geschäftsfreund und aßen schließlich zu Abend. Peter bekam auch leichte Probleme mit seinem Magen. Ich -als der einzige, der aus jedem Kamelbrunnen getrunken hatte- war der einzige, der sich scheinbar bestens an die hiesige Umgebung angepaßt hatte, die beiden "vorsichtigen" litten an Magenverstimmungen.


Sonntag, 4.5.80

30°C, Regen
Um 9:00 Uhr km Horst zu uns, um sich zu verabschieden. 1 ½ Stunden später schafften wir es dann auch, aufzustehen, zu duschen und zu frühstücken. Es gab Kaffee mit Milch, Brot, Butter, Marmelade und Omelette. Anschließend widmeten sich Bernd und Peter der Pflege und Reinigung der Fahrzeuge, während ich Wäsche wusch und meine Reisetasche packte. Wir hatten geplant, anschließend an den Strand zu geben, es begann aber zu regnen, weshalb wir im Hotel bliebe, knobelten, Karten spielten und faulenzten.

Am Abend lernten wir einen Belgier und zwei Schwarze kennen, die ebenfalls hier im Hotel wohnten. Mit diesen zusammen gingen wir in die Diskothek PLAYBOY. Dort musste ich -mitten in Afrika- auf Orangen- oder Ananassaft zu meinem Campari verzichten: Gab es nicht. Peter wurde von einer Schwarzen angesprochen und fühlte sich gleich wie ein weißer Pascha, besonders, als die Kleine ihn fragt, ob er mit ihr schlafen wollte (Sie kannte sogar das deutsche Wort "bumsen"). Es stellt sich dann heraus, dass sie eine Professionelle war und Peter lehnte -sichtlich enttäuscht- ab.

Um Punkt 23:00 Uhr hörte die Musik schlagartig auf, die handgeschaltete "Lichtorgel" stand still, das Licht ging an und der ganze Laden war innerhalb weniger Minuten leer: Polizeistunde, die Leute sollen ja am Aufbau des Sozialismus arbeiten. Überall in den Straßen hingen Plakate und Spruchbänder -schlimmer, als in der DDR- mit Hetzparolen wie: "Ermordet die Feinde des Marxismus".


Montag, 5.5.80

45-50°C, sonnig
Nachdem wir um 7:00 Uhr aufgestanden waren, fuhren wir zum Büro der AEROFLOT (wo es angeblich die billigsten Flüge gab). Dort war allerdings niemand anzutreffen, auch später haben wir nie gesehen, dass jemand im Geschäft war. Mit einem Zwischenstopp bei unserer Botschaft -um Zeitungen zu besorgen- ging es weiter zur AIR FRANCE, um dort ein Flugticket für mich zu besorgen, da mein Urlaub zu Ende ging. Bernd und Peter hatten ihre Jobs gekündigt, Bernd wechselte anschließend die Firma, Peter hatte vereinbart, wieder eingestellt zu werden. Ich hingegen hatte "nur" meinen gesamten Jahresurlaub genommen, weil ich ja noch mitten in der Lehre steckte.

Wir wechselten bei der Bank fast unser gesamtes restliches Geld, bezahlten das Ticket (DM 1.995,00) und fuhren zurück ins Hotel. Nachdem wir Peters Einzelzimmer gekündigt hatten frühstückten wir. Später fuhren wir zu potentiellen Kunden (für die Fahrzeuge. Weil uns auch ein Interessent in Lomé avisiert worden war, fuhr Bernd mit dem Käfer dorthin, während Peter und ich den Starter des Lkw reparieren wollten Dies gelang uns nur teilweise, weil wir es schafften, bei den Arbeiten die Batterie zu entladen.

Als Peter unterwegs war, um weitere Ersatzteile zu besorgen, wurde ich von einem weiteren Interessenten angesprochen, der für den -allerdings verzollten- Truck DM 35.000,00 (FCA 3,5 Mio.) zahlen wollte. Die Verzollung sollte allerdings sehr umständlich und sehr teuer (Zollsatz 30-35%) sein, so dass wir hierüber zuerst mit Peters Freund von der SONATRAC sprechen.

Um 14:00 Uhr kam Bernd zurück, hatte aber nicht erreicht. Wir fuhren zur SONATRAC, kamen aber zu spät, da an diesem Tag bereits um 14:00 Uhr Feierabend zu sein schien.

Auf der Rückfahrt zum Hotel wurden wir von der Polizei angehalten. Wir hatten uns zwar nicht um sein Gepfeife gekümmert, hatten aber -um Zigaretten zu kaufen- hinter einer Ecke angehalten, weil wir nicht gemerkt hatten, dass der Polizist uns gefolgt war. Er verlangte CFA 5.000, wofür bekamen wir nicht heraus. Nachdem wir ihm erzählt hatten, wir seien arme Studenten und hätten diese Bildungsreise von unserer Oma spendiert bekommen, reduzierte er seine Forderung auf CFA 2.000 - aber ohne Quittung (also in die eigene Tasche). Wir bezahlten.

Zurück im Hotel, beschlossen wir, unsere Taktik zu ändern. Wir wollten nur noch vor dem Hotel sitzen und auf mögliche Kunden warten. Das dauernde durch die Stadt fahren kostete nämlich einen Haufen Sprit. Außerdem schien es sich herumgesprochen zu haben, dass wir die Fahrzeuge verkaufen wollten, denn es kamen öfter Interessenten vorbei.

Um 15:00 Uhr legte ich mich noch etwas hin, da mein Flug um 18:00 Uhr gehen sollte und ich erst um 6:00 Uhr am kommenden Morgen in Paris eintreffen würde. Nach anderthalb Stunden ging ich wieder auf die Hotelterasse, wir tranken etwa und unterhielten uns mit zwei Franzosen. Sie suchten ein billiges Hotel und wir empfahlen das BABU. Dann fuhren wir zum Flughafen und setzen die beiden Franzosen beim BABU ab. Auf dem Flughafen holte ich mir meine Bordkarte für den Flug von Cotonou nach Abidjan und ging dann zur Polizeikontrolle. Es musste ja irgend etwas schief gehen: Der Beamte verlangt eine Anmeldung für Cotonou, die man aber nur in der Stadt erhielt. Wenn ich jetzt noch zurück gefahren wäre, hätte ich mit Sicherheit meinen Flieger verpaßt. Der Polizist hatte dann doch ein Einsehen, ich wurde abgefertigt, sogar ohne das zwischenzeitlich bereitgelegte "Trinkgeld" (CFA 2.000) benutzen zu müssen. Die Zollkontrolle verlief sehr oberflächlich -ich hatte auch nur eine kleine Reisetasche. Nachdem ich mit von Bernd und Peter verabschiedet und ihnen viel Glück gewünscht hatte stieg ich in das -hoffentlich richtige- Flugzeug, eine nicht mehr ganz neue Caravelle.

Es war der richtige Flieger, denn wir erreichten nach einer halben Stunde Lomé von wo es nach 15 Minuten Aufenthalt nach Abidjan weiterging. Dort trafen wir um 20:50 Uhr (bzw. 19:50 Uhr Ortszeit) ein und verließen das Flugzeug.

In der Halle trank ich für meine letzten CFA ein Bier und begab mich dann in die DC 10 der Air Afrique, die uns nach Pari bringen sollte. Um 21:00 Uhr hoben wir ab. Auf dem gesamten Flug tropfte mit Kondenswasser aus der Klimaanlage auf den Kopf.

Wir hatten in der Caravelle nur ein Sandwich bekommen, jetzt gab es eine richtige Mahlzeit: Gurkensalat, Fleisch mit Reis und Sauce, Brot, Butter, Käse, Wasser und Kuchen.

Um 22:45 Uhr landeten wir zu einem 45 minütigem Zwischenstop in Bamako. Ich las noch etwas, während einige Mitreisende über Kopfhörer (FF 15,00) Musik hörten oder einen Film anschauten. Später schlief ich ein.


Dienstag, 6.5.80

15°C, bedeckt
Um 6:00 Uhr wurden wir geweckt und bekamen Frühstück. Anschließend wurden "Einreisekarten" verteilt, die wir ausfüllen mussten, um in Frankreich einreisen zu können. Als ich meine Karte fertig beschriftet hatte, baten mich einige Mitreisende, ihre ebenfalls auszufüllen, da sie des Schreibens nicht mächtig waren. Drei dieser Analphabeten waren -angeblich- Außenhandelskaufleute aus Mali. In der Spalte für das Geburtsdatum sollte ich notieren: "vers 1948" (heißt: ca. 1948).

Um 7:45 Uhr setzten wir in Paris auf, verließen das Flugzeug und stellten uns bei der Einreisekontrolle des Flughafens "Charles de Gaulle" an. Einige unserer Passagiere wurden nicht eingelassen, sondern zurück nach Afrika geschickt -auch einer, dem ich seine Karte ausgefüllt hatte- da sie illegal versucht hatten, nach Frankreich einzureisen.

Der Flughafen "Charles de Gaulle" war berühmt für seine futuristische Innenausstattung z.B. Rolltreppen, die in Plexiglasröhren verliefen (Bild 41 ). Ich wechselte etwas Geld, aß ein Croissant und trank einen Kaffee, kaufte mir eine Bahnfahrkarte und fuhr dann mit der Metro und Bus zum Bahnhof "Gare du Nord", wo ich gegen 10:00 Uhr eintraf. Mein Zug in Richtung Hamburg sollt erst um 13:00 Uhr gehen und ich hatte somit genug Zeit, noch zahlreiche Croissants und Kaffees zu mir zu nehmen. Ich besorgte mir noch ein Buch und den "Stern" und aß im Bahnhofrestaurant zu Mittag, da ich die FF 100,00 noch "auf den Kopf hauen" musste.

Der Zug fuhr pünktlich und es ging über St. Quentin und Brüssel nach Köln, wo ich kurz ausstieg, deutsches Geld besorgte und einen Playboy und etwas zu essen kaufte. Um 19:00 fuhren wir weiter, quer durch das Ruhrgebiet. In Afrika wäre es um diese Zeit schon stockdunkel gewesen. Osnabrück und Bremen waren passiert, als ich um 23:30 in Hamburg am Hauptbahnhof ankam.


Mittwoch, 7.5.80

15°C regnerisch
Um 0:30 war ich wieder zu Hause - und pleite. Das einzige Geld, dass ich noch in der Tasche hatte, war ein US-Dollar, der so aussah, als wäre er einmal quer durch die Sahara gekommen (Bild 42 ).

Zusammenfassung (Strecken, Temperaturen, etc.)
Landkarte (Streckenführung)
Mängel-Liste (final)

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